Im Jahr 2013 riskierten Experten einen Blick in das prunkvolle Grab Kaiser Friedrichs III. (1415-1493) im Wiener Stephansdom. Das Ergebnis der langjährigen Analyse der Bilder und Proben ist für die an dem Projekt beteiligten Forscher aus historischer Sicht als "Sensation" zu werten. Es handelt sich tatsächlich um das letzte unangetastete Kaisergrab Europas - inklusive Krone und feinstem Tuch.

Als im Jahr 1969 das Gerücht in Wien umging, dass das Grabmal des Vaters des heuer vor exakt 500 Jahren verstorbenen Kaisers Maximilian I. (1459-1519) vielleicht leer sei, rückte man in einer Art "Geheimaktion" mit dem Bohrer an, sagte der Archivar der Dombauhütte zu St. Stephan, Franz Zehetner, im Vorfeld der Präsentation der aufsehenerregenden Erkenntnisse im Rahmen der Forschungskonferenz "Nahaufnahme" am Kunsthistorischen Museum (KHM) Wien. Bis heute hielten sich auch Beteiligte an der damaligen Aktion an einer Seitenwand des Hochgrabes im Apostelchor des Doms bedeckt. In der Folge war dann zwar klar, dass der im Jahr 1513 in das zu den wichtigsten Arbeiten der spätmittelalterlichen Kunstgeschichte zählende Grab übersiedelte Leichnam tatsächlich noch dort ist. "Näheres wurde damals aber nicht publiziert", so Zehetner.

Das Grabmal Kaiser Friedrichs III., Niclaus Gerhaert mit Werkstatt und Nachfolger, Wien und Wiener Neustadt, zwischen 1467 und 1513/1517, im Südchor der Dom- und Metropolitankirche St. Stephan. - © APAweb /KHM-MUSEUMSVERBAND
Das Grabmal Kaiser Friedrichs III., Niclaus Gerhaert mit Werkstatt und Nachfolger, Wien und Wiener Neustadt, zwischen 1467 und 1513/1517, im Südchor der Dom- und Metropolitankirche St. Stephan. - © APAweb /KHM-MUSEUMSVERBAND

Nachdem sich die endgültige Bestattung Friedrichs III. vor sechs Jahren zum 500. Mal jährte, kam man im Zuge von Recherchen dahinter, dass es dieses 50 Jahre alte kleine Loch gibt. Bevor die Forscher im November 2013 einen erneuten Blick ins unbekannte Innere riskierten, "haben wir uns ein bisschen besser informiert als unsere Vorgänger in den 1960er-Jahren". So untersuchte ein Team um den Archäologen Wolfgang Neubauer den Hohlraum mittels Georadar. Dabei erhielt man bereits überraschend viel metallische Resonanz. Es folgte der Einsatz von medizinischen Endoskopen, die vergoldete Schrifttafeln mit Lobpreisungen Friedrichs und Maximilians, und den eigentlichen Sarg aus verklebten, glasierten Keramikplatten und Textilien enthüllten.

Ansicht des Reichsapfels mit Kreuz und Beschriftung sowie Detail des Szepters zur Rechten des Leichnams. - © APAweb /DOMBAUHÜTTE ZU ST. STEPHAN
Ansicht des Reichsapfels mit Kreuz und Beschriftung sowie Detail des Szepters zur Rechten des Leichnams. - © APAweb /DOMBAUHÜTTE ZU ST. STEPHAN

Einblicke durch W-LAN-gesteuerte Kamera

Mittels ausgeklügelter, durch das kleine Loch quasi eingefädelter Beleuchtung und Aufhängungen wurden dann Aufnahmen mit einer kleinen, W-LAN-gesteuerten Kamera und einem Handy möglich, die trotz der äußerst beengten Verhältnisse einen erstaunlichen Überblick erlaubten. Unter den Umständen ist es "aus meiner Sicht ein Wunder, dass wir solche Aufnahmen haben", sagte Franz Kirchweger, Kurator für mittelalterliche Kunst im KHM.