Große Bedeutung kam dem Lagerspital zu. Aufgrund des dichten Zusammenlebens, der Winterkälte und der mangelhaften
Hygiene breiteten sich häufig Erkrankungen und Seuchen aus. Das Lagerspital kam daher auf die beachtliche Zahl von 2400 Betten. In den Jahren 1915 bis 1917 gab es 4400 Seuchentote, im selben Zeitraum starben 484 Säuglinge an Masern. Bis zum Ende des Krieges starben rund 30.000 Menschen im Lager, nicht nur an Seuchen, auch an Unterernährung, da es oft zu wenig Nahrungsmittel gab.

Die "Gmünder Zeitung" berichtet 1915 anlässlich eines Besuchs des Innenministers aus Wien von einer "Zusammenrottung slowenischer Flüchtlinge", die auf die schlechten Zustände im Lager aufmerksam machen wollten. Eine Demonstrantin, die mit einer Schere Gendarmeriebeamte bedrohte, wurde festgenommen.

Die meisten Verstorbenen wurden am Lagerfriedhof, der heute ein Park ist, beerdigt. Gedenksteine erinnern an die tragische Geschichte des Ortes.

Schule im Lager

Die Lagerschule war fünfklassig und hatte bis zu 21 Klassen für jeweils 50 Schüler und Schülerinnen, die auf Ukrainisch mit Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wurden. Die Schüler erhielten jährliche Zeugnisse. Im Jahr 1916 berichtete die "Gmünder Zeitung" von einem Ereignis in der Schule: Im Werkunterricht fertigten Schulkinder ein Gobelinbild an, das dem Kaiser huldigend gewidmet war. Doch konnte man dem Kaiser eine solche Ehrung nicht so einfach schicken. Man musste in der kaiserlichen Kabinettsdirektion anfragen, ob Seine Majestät gewillt wäre, die Huldigung anzunehmen.

Die Kabinettsdirektion beantwortete die Anfrage positiv: Der Kaiser wäre zur Annahme bereit. Offenbar war er von der Gabe angetan und spendete 100 Kronen (entspricht heute ungefähr 200 Euro) für die ukrainische Jugend der Flüchtlingsschule.

Das Pförtnerhäuschen des ehemaligen Spitalstraktes, später als Trafik genutzt. Dahinter ein Wohnneubau. 
- © Ludwig

Das Pförtnerhäuschen des ehemaligen Spitalstraktes, später als Trafik genutzt. Dahinter ein Wohnneubau.

- © Ludwig

Die Bevölkerung von Gmünd hatte, außer durch Zeitungsmeldungen und Einberufungen, keinen direkten Kontakt mit dem Krieg. Die Ankunft der Flüchtlinge änderte das Bild und brachte eine Andeutung von den Problemen und dem Leid der Zivilbevölkerung in die niederösterreichische Kleinstadt. Teile der Bevölkerung aus dem Bezirk Gmünd profitierten sogar von der Anwesenheit der Flüchtlinge im Lager durch Aufträge und Lieferungen.

Die lokale Presse zeichnete ein vielschichtiges Bild vom Verhältnis der Bevölkerung zum Lager und berichtete vom Alltagsleben der Flüchtlinge. Bereits zu Beginn der Flüchtlingswelle, am 28. November 1914, berichtet der "Waldviertler Bote" von den schweren Entbehrungen der Heimatlosen, die bei der Bevölkerung "allgemeines Interesse und mildherzige Teilnahme" erweckten. Die Bewohner brachten "bereitwilligst
(...) Gewand und Essen, um die schwere Not der Heimatlosen (...) zu lindern."

Die Flüchtlinge kamen oft in der Nacht mit Zügen am Bahnhof Gmünd (heute České Velenice) an, verbrachten die Nacht in den Warteräumen am Bahnhof und wurden am nächsten Tag zum zwei Kilometer entfernten Lager geleitet, wo sie dann zu Beginn der Amtsstunden registriert wurden.