Als Vorbild diente die Tschechische Legion, die bald 80.000 Soldaten und Offiziere umfasste und zunächst Seite an Seite mit den russischen "Brüdern" kämpfte; das änderte sich schlagartig, als die Revolution 1917 ausbrach und die neuen bolschewistisch-kommunistischen Machthaber im Frühjahr 1918 einen Waffenstillstand und später Frieden mit den Mittelmächten schlossen, um ihre inneren Angelegenheiten zu ordnen. Die Tschechische Legion hätte gerne ihre militärischen Erfolge im Westen Russlands fortgesetzt und weiter gekämpft, um dann siegreich in einen eigenen Staat heimzukehren, der im November 1918 Wirklichkeit wurde.

Doch als der Krieg im Osten mit den später revidierten Abmachungen von Brest-Litowsk endete, sollte die Legion entwaffnet werden, wogegen sie sich heftig wehrte; so entstand in den Köpfen der Kommandeure, darunter der berüchtigte General Gajda, die von der Entente unterstützte Idee, statt unbewaffnet in die ČSR zu ziehen, die Waffen zu behalten und Richtung Osten bis Wladiwostok oder in den Norden nach Archangelsk zu marschieren oder per Bahn zu fahren, um sich den Expeditionstruppen der Engländer, Franzosen, Amerikaner oder Japaner anzuschließen.

Die Alliierten hatten unterschiedliche Interessen und waren sich nur in der Strategie einig, möglichst nicht in den bewaffneten Konflikt hineingezogen zu werden. Frankreich, das durch den Sieg an der Westfront wieder erstarkt war, entsandte General Janin mit Interventionstruppen nach Russland. Amerikaner standen in Wladiwostok und am Eismeer (Archangelsk) bereit, wo auch britische Schiffe landeten.

Den Japanern ging es im Osten des riesigen, ehemaligen Zarenreiches um Bodenschätze und strategische Investitionen. Dass sich japanische Topografen und das Militär ungehindert in Transbaikalien bewegen konnten, nutzten die kriegserfahrenen Asiaten, die im Ersten Weltkrieg auf Seite der Alliierten kämpften, zur Einflussnahme in dieser Region.

Geschildertes Grauen

Offiziell standen sie hinter dem "weißen" General Semjonow und dem dubiosen deutschstämmigen Adeligen Ungern-Sternberg, doch hinter den Kulissen hielten sie den Konflikt am Kochen und motivierten die Bevölkerung, sich gegen die "weiße Tscheka" (Geheimpolizei) aufzulehnen. Die Briten erhofften sich wirtschaftliche Vorteile und Konzessionen für den Abbau in der an Bodenschätzen reichen Region.

Offiziell förderten sie die Demokratisierung und einen neuerlichen Umsturz zugunsten einer dem Westen geneigten Regierung, wie dies Alexander Fjodorowitsch Kerenski oder ein sich in der Stadt Ufa bildendes Komitee versprachen, die sich aber allesamt nicht durchsetzen konnten. Der antibolschewistische Admiral Koltschak riss die Macht in Sibirien an sich und setzte das Komitee kurzerhand ab. Er hielt sich als "starker Mann" bis Anfang 1920 an der Macht, ehe er von seinen Verbündeten verraten und im Februar 1920 in Irkutsk von Rotarmisten hingerichtet wurde.

Der später NS-affine Autor Edwin Erich Dwinger, der selbst für die "Weißen" kämpfte, schilderte, wie der von seinen Anhängern verehrte Koltschak selbst den Schussbefehl erteilte. In seinem Roman "Zwischen Weiß und Rot" gab Dwinger aber eine Schilderung der humanitären Lage ab, die das Grauen des Bürgerkriegs ermessen lässt.