Auf Kadiköy folgte Galata, das stark europäisierte Handelszentrum von Konstantinopel. Die Zustände waren selbst hier merklich andere als in Europa: "Bis jetzt haben wir ein Zimmer, wo zwei Betten darin stehen, eines benutze ich und meine zweimal hunderttausend Wanzen und eines benutzt mein Onkel und Tante und ihre fünfmal hunderttausend Wanzen und Flöhe."

Eines Nachts findet man sich gar inmitten eines Großbrandes wieder, der angeblich über hundert Häuser vernichtete. Das von den Wienern bewohnte Haus wurde von angeheuerten Feuerwehrmännern gerettet. "Es geschah so wenig [. . .], dass wir gleich denselben Tag noch konnten zu spielen anfangen." Istanbuls Wohnbauten waren damals üblicherweise aus Holz errichtet, Brände standen gleichsam an der Tagesordnung. Nur wenige Wochen später sollte Schrammel von der Terrasse aus den Feuerschein der Brandkatastrophe von Pera beobachten, über die auch österreichische Zeitungen tagelang berichteten. An die tausend Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein.

Nach einem Sonderauftrag bei einer islamischen Beschneidungsfeier in Çanakkale, an der asiatischen Seite der Dardanellen, traf überraschend eine Einladung nach Alexandrien ein, wo man gemeinsam mit Tirolern musizieren sollte. Erst in Nordafrika dürfte allmählich Schrammels Abenteuerlust erwacht sein. Hat es früher noch geheißen: "Wir essen und trinken und spielen Karten, was wir immer tun, wenn wir keine Gäste haben", so beginnt er seine Arbeitspausen nun häufig anderweitig zu nutzen. Er unternimmt etwa einen Eselsritt zum Mahmudija-Kanal oder bestaunt die Pompejus-Säule, von der Napoleon einst die Eroberung Alexandriens beobachtete und die auch zu Schrammels Zeit noch außerhalb des Stadtgebietes lag, sowie, mit einem Revolver bewaffnet, die Große Katakombe von Mex. Nicht selten interpretiert er das Gesehene falsch oder wird - mangels höherer Schulbildung ein leichtes Opfer - von windigen Reisebegleitern mit Fehlinformationen genarrt: Den Mahmudija-Kanal hält er für den Nilfluss, und von den damals nur auf eigene Faust zugänglichen Katakomben wird ihm erzählt, es handle sich um unterirdische Wohnungen, in die sich einst verfolgte Christen flüchteten.

Josef Schrammel in späteren Jahren. 
- © Bezirksmuseum Hernals

Josef Schrammel in späteren Jahren.

- © Bezirksmuseum Hernals

In Kairo, der nächsten Station, sieht sich Schrammel zu seinem Entsetzen gleich bei der Ankunft mit Prostituierten konfrontiert, die ihn in einem Kauderwelsch aus Deutsch, Arabisch und Türkisch zu werben versuchen. Doch er weiß sich mit seinen im Lauf der Reise angeeigneten Türkischkenntnissen zu helfen: "Da sagte ich zurück: istemem (ich will nicht)." Er steigt stattdessen gemeinsam mit einem Freund in den Jussufsbrunnen hinab und besucht die erst wenige Jahre zuvor fertiggestellte Alabaster-Moschee, die er für ein antikes Bauwerk hält. Auch eine Ausfahrt zu den Pyramiden von Gizeh wird unternommen, wobei Schrammel auch eine Besteigung der Cheopspyramide wagt.