Hasankeyf wird versinken. Die uralte Stadt in der Osttürkei steht kurz vor der Flutung durch den großen Ilisu-Staudamm. Der Hasankeyf-Aktivist Ridvan Ayhan sagte der dpa am Dienstag, dass das Wasser nur noch etwa einen Kilometer von der Stadt entfernt sei. Auch Bürgermeister Abdulvahap Kusen bestätigte das. Gleichzeitig werde in dieser Woche das letzte historische Monument abtransportiert.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete am Dienstag über einen Tieflader mit 256 Rädern, der am Montag im Schneckentempo einen Teil einer Jahrhunderte alten Moschee aus der Gefahrenzone gebracht habe. Die Ladung habe 1700 Tonnen gewogen. Weitere Teile der Moschee, die aus dem 15. Jahrhundert stammen soll, würden bis Ende der Woche aus dem Ort gebracht, sagte Kusen. Einige Monumente aus der historischen Stadt werden am zukünftigen Ufer des Stausees in einem neuen Archäologiepark gezeigt.

Uralte Siedlungsspuren

Hasankeyf liegt in einer einzigartigen Kulturlandschaft am Tigris, in einem der ältesten Siedlungsgebiete der Welt. In der Umgebung gibt es rund 12.000 Jahre alte Siedlungsspuren, sagen Archäologen.

Der Ilisu-Staudamm war im Sommer in Betrieb genommen worden. Der in Deutschland lebende Umweltingenieur und Hasankeyf-Aktivist Ercan Ayboga sagte am Dienstag, die Flutung des Stauseegebiets gehe wegen der kargen Regenfälle im Herbst allerdings langsamer voran als geplant. Das zeigten Satellitenbilder. Zunächst war erwartet worden, dass die Stadt Ende Dezember unter Wasser steht. Nun könne es bis Jänner dauern, bis das Wasser in der Stadt sei, und dann einige Wochen, bis es die volle Fluthöhe erreicht habe.

Allerdings harren weiter Menschen in Hasankeyf aus. Aktivist Ayhan sagte, es seien weiterhin etwa 40 Familien im Ort. Einigen sei in der Neustadt keine Wohnung zugewiesen worden. Andere hielten Tiere, die aber im neuen Siedlungsgebiet nicht zugelassen sind. (apa)