In Mitteleuropa kommt es seit Jahrhunderten zu einer Vermischung von Einheimischen und Migranten. Dass es sich dabei sogar um Jahrtausende handelt, berichten Forscher im Fachblatt "Scientific Reports". Denn schon im ältesten bekannten Dorf Österreichs beim heutigen Brunn am Gebirge in Niederösterreich lebte vor rund 7600 Jahren ein Mann, dessen Vater von aus dem Nahen Osten zugewanderten Bauern abstammte und dessen Mutter vom ansässigen Jäger-Sammlervolk war, heißt es in der Studie. Demnach hat die Vermischung von Ansässigen und Zugereisten schon lange Tradition.

Ein Team um Peter Stadler von der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien untersuchte die Überreste von vier Individuen, die in der Ausgrabungsstätte Flur Wolfholz in Brunn am Gebirge südlich von Wien gefunden wurden. Bei Ausgrabungen zwischen 1989 und 2005 wurden dort 7.070 bis 7.690 Jahre alte Funde der frühesten bäuerlichen Siedlung, die man in Mitteleuropa kennt, zu Tage befördert.

Damals war eine bewegte Zeit: "Siedler aus dem Nahen Osten kamen über Südosteuropa und brachten ihre bäuerliche Lebensweise in die mitteleuropäische Region, die zuvor nur sehr dünn besiedelt war", so die Forscher in einer Aussendung. Die lokale Jäger- und Sammler-Kultur verschwand allmählich. Die Menschen wurden sesshaft, bauten Einkorn und die Weizenart Emmer an, hielten Schafe, Ziegen und Rinder und betrieben Vorratswirtschaft.

Von drei Männern konnte Erbgut entschlüsselt werden

Von drei der vier in Brunn am Gebirge vor tausenden Jahren bestatteten Menschen konnten die Forscher Erbgut (alte DNA) entschlüsseln. Es waren drei Männer. Einer von ihnen war von der Herkunft halb westasiatischer Bauer, halb mitteleuropäischer Jäger-Sammler. "Seine väterliche genetische Abstammung stimmte mit der Herkunft des Nahen Ostens überein, während seine mütterliche Abstammung für die Jäger und Sammler Europas charakteristisch war", schrieben die Forscher: Er war wohl Sohn einer Jäger-Sammler-Mutter und eines Bauernvaters, und zeugte somit von der frühen Vermischung der Ansässigen und Neuankömmlinge.

Weitere Analysen (Strontium-Isotopen-Analysen) seiner Überreste zeigten, dass er nicht immer in dieser Gegend (bei Brunn) gelebt hat. "Der Leichnam wurde außerdem mit sechs Radiolarit-Trapezen bestattet, einer Gesteinsart, die in der Gegend des Plattensees (Anm.: im heutigen Ungarn) abgebaut wurde - möglicherweise ist dort sein Geburtsort", meinen die Forscher.

Einer der beiden anderen Männer vereinte ebenfalls das Erbgut von Bauern und Jäger-Sammlern, allerdings nicht in so ausgeglichenem Maße. Der Dritte im Bunde stammte wohl ausschließlich von den Einwanderern, also anatolischen jungsteinzeitlichen Bauern ab. (apa)