1934 brach Gusinde in neue Regionen auf, er schloss sich nämlich einer Expedition in das Kongobecken an, um die dort lebenden Pygmäen zu erforschen. Der Zweite Weltkrieg machte weitere Reisen schließlich unmöglich. Kurz vor dem Ende des Krieges wurden viele der von ihm gesammelten Objekte, aber auch das Manuskript für einen dritten Band über die Feuerlandindianer, zerstört. Gusinde musste es auf der Grundlage der noch vorhandenen Aufzeichnungen neu schreiben, erscheinen konnte dieser Band aber erst nach seinem Tod.

Nach dem Ende des Krieges wurde er an die Catholic University of America Washington berufen, wo er acht Jahre lang unterrichtete. Von dort aus unternahm er Forschungsreisen, die ihn zu den Ainu im nördlichen Japan, zu den Pygmäen im Hochland von Papua-Neuguinea und zu den San in der Kalahari führten. Auf Washington folgte eine Gastprofessur in Tokio, danach übersiedelte Gusinde im Jahr 1961 wieder nach Europa. Er ließ sich in Sankt Gabriel nieder, am 18. Oktober 1969 starb er in Mödling.

Bis heute hat Gusinde durch seine Forschungen in Feuerland einen bedeutenden Platz in der Geschichte der Ethnologie, für seine Zeit hatte er Herausragendes geleistet. Legt man allerdings moderne Maßstäbe an, so sind seine Arbeiten differenziert zu sehen. Er verbrachte zwar 22 Monate in Feuerland, wenn möglich, wohnte er in dieser Zeit aber nicht in den Lagern der Indianer, sondern in nahegelegenen Missionsstationen oder Farmen. Nur wenige Monate seines Aufenthaltes nahm er am alltäglichen Leben der Indigenen teil. Dazu kam ein weiteres praktisches Hindernis: Die auf Feuerland lebenden Indianer sprachen unterschiedliche Sprachen, ihre Spanischkenntnisse waren meist nur rudimentär. Gusinde versuchte zwar, die Sprachen der Indianer zu lernen, blieb aber stets auf die Hilfe von Dolmetschern angewiesen.

Geprägt von Theologie

Auch der theoretische Ansatz, der Grundlage für seine Forschungen war, gilt heute als überholt: Als Gusinde in der Zeit zwischen den Weltkriegen seine Ausbildung erhielt, war die Wiener Schule der Kulturkreislehre die vorherrschende Denkweise in der Ethnologie der deutschsprachigen Länder. Dieser theologisch geprägte Ansatz ging davon aus, dass die "primitiven" Völker unverdorben wären und der göttlichen Schöpfung am nächsten stünden. Dementsprechend glaubten die Vertreter dieser Schule, dass man bei diesen Völkern einen "Urmonotheismus" nachweisen könne. Gusinde war zwar kein vehementer Verfechter dieser Lehre, dennoch widmete er der Suche nach diesem ursprünglichen Monotheismus viel Aufmerksamkeit und interpretierte religiöse Mythen der Indianer in diesem Sinne.

Auch wenn seine Methoden aus heutiger Sicht kritisiert werden, so muss man Gusinde zugestehen, dass er, anders als die Weißen, die damals in Feuerland lebten, die Indianer und ihre Kultur schätzte und ihnen mit großer Sympathie und Wertschätzung begegnete. Seine Forschungen mögen vielleicht nicht den heutigen Standards entsprechen, aber er hinterließ - vor allem mit seinen Fotos - ein umfangreiches Werk, das auch in unseren Tagen noch Beachtung findet.

Wer Gusindes Forschungen heute nachvollziehen will, muss nicht nach Puerto Williams reisen, eine Fahrt in die Hofburg reicht. Viele Fotos und Objekte, die von Gusinde gesammelt wurden, finden sich heute im Weltmuseum in Wien. Sie sind die letzten Erinnerungen an eine untergegangene Kultur an der südlichsten Spitze Amerikas.