Die Nationalsozialisten errichteten im besetzten Polen in Auschwitz ab Frühjahr 1940 das größte Konzentrations- und Vernichtungslager in ihrem Herrschaftsbereich. Bis zur Befreiung am 27. Jänner 1945 wurden von den mindestens 1,3 Millionen dorthin Deportierten mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet, Eine Million von ihnen waren Jüdinnen und Juden, rund 21.000 Roma und Sinti, 15.000 sowjetische Kriegsgefangene und mehr als 80.000 aus politischen und anderen Gründen nach Auschwitz Deportierte.

Industrielle Tötung

Am 27. April 1940 erteilte der Reichsführer SS Heinrich Himmler den Befehl, ein ehemaliges Kasernengelände in Oswiecim zu einem Konzentrationslager umzubauen. Ursprünglich als Arbeitslager für politische Gefangene aus Polen geplant, wurde es nach Beginn des Zweiten Weltkrieges bald zur Tötungsstätte für Kriegsgefangene aus Polen und im weiteren Verlauf zu einem Ort organisierter Sklavenhaltung und industrieller Massenvernichtung, die als Resultat der Wannsee-Konferenz im Jänner 1942 in der "Endlösung der Judenfrage" gipfelte.

Bereits im Herbst 1941 an sowjetischen Kriegsgefangenen getestet, wurde die Ermordung der Menschen durch Cyanwasserstoff (Zyklon B) von 1942 bis 1944 die am häufigsten angewendete Tötungsmethode.

Am Samstag, den 27. Jänner 1945 morgens erreichten Soldaten der Roten Armee zunächst das tief verschneite KZ Auschwitz III Monowitz. In der Nacht zuvor hatte die SS das letzte Großkrematorium im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gesprengt. Am Nachmittag des bitterkalten Tages schließlich stießen die Truppen bis zum Haupttor des Stammlagers vor. Bis dahin waren mehr als 200 junge Männer im Kampf um die Befreiung von Auschwitz gefallen. Hier, und auch im wenig später befreiten Auschwitz-Birkenau, bot sich den sowjetischen Soldaten ein Bild des Grauens: tote Menschen, apathisch herumliegende Männer und Frauen, auch hunderte Kinder. Insgesamt fanden die Angehörigen der Roten Armee an die 7500 Häftlinge vor. In den Tagen vor der Befreiung waren noch abertausende Gefangene in sogenannten "Todesmärschen" Richtung Westen getrieben worden.

Koffer und Taschen getöteter Insassen im KZ Auschwitz... - © APA/HELMUT FOHRINGER
Koffer und Taschen getöteter Insassen im KZ Auschwitz... - © APA/HELMUT FOHRINGER

14.000 bis 15.000 der rund 19.000 bis 20.000 österreichischen Häftlinge im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau waren Jüdinnen und Juden. Der am 17. Juli 1942 von Wien abgegangene 32. Transport mit ungefähr 1000 Menschen war der einzige Transport, der - ausgehend vom Aspangbahnhof - direkt nach Auschwitz fuhr. Mehr als 4100 Österreicher wurden von Theresienstadt aus, rund 500 Personen davon in Einzeltransporten, dorthin deportiert. Weiters wurden mehr als 3700 österreichische Juden und Jüdinnen aus Frankreich, rund 350 aus Italien und etwa 260 aus den Niederlanden nach Auschwitz verbracht.