Am 26. März 1942, ihrem 42. Geburtstag, wurde sie nach Auschwitz zum Aufbau des dortigen Frauenlagers überstellt. Sie kam am 16. August 1942 nach Birkenau in den Häftlingskrankenbau, wo sie sich aufopfernd um ihre Mithäftlinge kümmerte. Im Oktober 1942 infizierte sich Schwester Angela mit Flecktyphus und konnte sich von der schweren Erkrankung nicht mehr gänzlich erholen. Im Mai 1943 kam sie als Krankenpflegerin in das SS-Lazarett und musste sich nunmehr der Pflege ihrer Peiniger widmen. Dennoch kümmerte sie sich, soweit es ihr möglich war, auch weiterhin um ihre Mitgefangenen. Am 18. Dezember 1944 waren die I.G. Farbenwerke Ziel eines alliierten Luftangriffes. Angela Autsch erlitt dabei eine lebensgefährliche Verletzung: Sie wurde von einem Granatsplitter getroffen, der sich in ihre Lunge bohrte. Am 23. Dezember 1944 - 35 Tage vor der Befreiung von Auschwitz - versagte ihr Herz nach mehr als vier Jahren KZ-Haft. Von ihr sind zahlreiche Briefe erhalten geblieben, in denen sie, zumeist verschlüsselt, über ihren Alltag und über ihren tiefen Glauben an Gott schrieb.

Im März 1990 leitete das Erzbistum Wien den Seligsprechungsprozess ein. Erst 2018 erkannte ihr Papst Franziskus den heroischen Tugendgrad zu, bezeichnete sie als "verehrungswürdige Dienerin

Gottes" und ebnete so den Weg zu einer möglichen Seligsprechung. Vor kurzem setzte die Literatin, Mundartdichterin und Erwachsenenbildnerin Annemarie Regensburger mit ihrem Buch "Angela Autsch - Der Engel von Auschwitz. Eine literarische Biografie" (Tyrolia Verlag) der Ordensschwester in Romanform ein Denkmal.

Auch wenn der 27. Jänner der Jahrestag der Befreiung der Überlebenden von Auschwitz ist, so darf gerade zu diesem Anlass nicht vergessen werden, danach zu fragen, was mit jenen geschah, die verantwortlich waren für das Morden, für die Vernichtung der Menschen, für die inhumanen Bedingungen. Während sich die Bundesrepublik Deutschland spätestens seit 1963 im Zuge der Frankfurter Auschwitz-Prozesse mit den Tätern auseinandersetzte, blieben die nicht wenigen dort tätigen Österreicher ausgeblendet, und zwar sowohl von der Justiz als auch von der Geschichtsschreibung.

Während etwa die Oberösterreicherin Maria Mandl, Aufseherin in Auschwitz, der vorgeworfen wurde, an Selektionen für die Gaskammern und medizinische Experimente teilgenommen sowie Häftlinge durch Verhungernlassen, Foltern und Erschlagen getötet zu haben, und der Wiener Maximilian Grabner, Leiter der politischen Abteilung des Lagers und damit verantwortlich für die Misshandlung und Tötung durch Giftgas von Häftlingen, im Krakauer Auschwitz-Prozess vom Obersten Polnischen Gericht am 16. Dezember 1947 zum Tode verurteilt und im Jänner 1948 hingerichtet wurden, zeigte die österreichische Justiz bis in die jüngere Vergangenheit nur wenig Interesse an der Ausforschung von mutmaßlichen Tätern und deren strafrechtlicher Verfolgung.

Zwischen 1945 und 1955, als hierzulande Volksgerichte für die Ahndung von NS-Verbrechen zuständig waren, waren Verbrechen in Auschwitz lediglich in 37 Prozessen Verhandlungsgegenstand. In nur zwei Prozessen erging gegen zwei Angehörige des SS-Totenkopf-Sturmbanns ein Urteil, in welchem 18 Monate bzw. vier Jahre Haft verhängt wurden.

Untätigkeit in Österreich

Nach der Abschaffung der Volksgerichtsbarkeit im Jahre 1955 und der Übertragung der Verfolgung von NS-Verbrechen auf die Geschworenengerichtsbarkeit setzte sich die Untätigkeit der österreichischen Justiz fort. Erst die von der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main Ende der 1950er Jahre begonnenen Untersuchungen zum Lagerkomplex Auschwitz führten auch in Österreich zur Einleitung gerichtlicher Vorerhebungen. Den Ausgangspunkt bildete eine vom kommunistischen Widerstandskämpfer, ehemaligen Auschwitz-Häftling und Mitbegründer des Internationalen Auschwitz-Komitees Hermann Langbein 1960 bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebrachte Anzeige gegen den 1942/43 als Lagerarzt in Auschwitz tätig gewesenen Georg Meyer wegen Beihilfe zum Massenmord durch Mitwirkung an Selektionen.