Im Laufe der Zeit trugen die österreichischen Strafverfolgungsbehörden mit unermüdlicher Unterstützung von Hermann Langbein, aber auch von Simon Wiesenthal, Beweise gegen österreichische Tatverdächtige der unteren und mittleren Lagerhierarchie zusammen. Die Zahl der Tatverdächtigen weitete sich in den folgenden Jahren auf über 60 Personen aus.

Prozesse in Wien

Als am 20. Dezember 1963 in Frankfurt der erste Auschwitz-Prozess begann, waren in Österreich die Ermittlungen so weit gediehen, dass man auch hier einen ähnlich großen Prozess erwarten hätte können. Doch nichts dergleichen geschah. Erst 1971 wurde über vier Beschuldigte die Untersuchungshaft verhängt und die Anklage erhoben. Walter Dejaco und Fritz Ertl, die Konstrukteure der Gaskammern in Birkenau, standen schließlich von Jänner bis März 1972 in Wien vor Gericht. Am 10. März 1972 erging ein Freispruch für beide Angeklagte. Nach der Urteilsverkündung wurden antisemitische Flugblätter im Gerichtsgebäude verbreitet und Hermann Langbein wurde als "Judas" bezeichnet.

Nur wenige Wochen später begann der zweite Auschwitz-Prozess in Wien gegen Otto Graf und Franz Wunsch, beide Angehörige des SS-Bewachungs- und Verwaltungspersonals des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Die Staatsanwaltschaft Wien warf ihnen eine Mitbeteiligung an der Tötung von Häftlingen durch Giftgas vor. Am 27. Juni 1972 fällten die Geschworenen auch in diesen beiden Fällen einen Freispruch.

2012 leitete die Staatsanwaltschaft Wels ein Verfahren gegen den ehemaligen Angehörigen der Lagerwachmannschaft Johann Hummel wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord ein. Es ist bisher die letzte Untersuchung der österreichischen Justiz wegen Verbrechen im Lagerkomplex Auschwitz. Der aus dem heutigen Serbien stammende "Volksdeutsche" versah zwischen November 1942 und November 1944 Dienst bei einer Wachkompanie des "SS-Totenkopf-Sturmbannes Auschwitz". Er war damit Teil des Stammpersonals von Birkenau. Während seiner Dienstzeit wurden hunderttausende KZ-Häftlinge ermordet. Von der heimischen Justiz blieb Hummel jahrzehntelang unbehelligt. Erst als engagierte Privatpersonen im Februar 2012 Hummel wegen des Verdachts der Beihilfe zum Massenmord anzeigten, wurden strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen.

Nach einer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme verschlechterte sich Hummels Gesundheitszustand erheblich und im Oktober 2013 kam ein Gerichtssachverständiger aus Graz zu dem Schluss, dass Hummel nicht mehr prozess- und vernehmungsfähig sei. Auf Weisung der damaligen österreichischen Justizministerin Beatrix Karl wurden die Ermittlungen trotzdem fortgesetzt. Zu einer Anklageerhebung ist es nicht mehr gekommen, da Hummel 2015 verstorben ist.