In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar 1945 starteten 25 viermotorige Transportflugzeuge in Abständen von zehn Minuten von Malta in Richtung Osten. Ihr Ziel: Saki, der Flugplatz von Jalta; an Bord: der schon vom Tode gezeichnete amerikanische Präsident Roosevelt und der britische Premierminister Churchill mit ihren Stäben - insgesamt 700 Personen: Diplomaten, Militärs und Nachrichtentechniker. Auf der Krim hatte es heftig geschneit, man hielt die Landung für ein Wagnis, doch als die erste Maschine nach siebenstündigem Flug Saki erreichte, war die Landebahn reingefegt.

Roosevelts Maschine landete um 12.10 Uhr; er wartete, bis 20 Minuten später Churchills Flugzeug eintraf. Erst dann wurde der Präsident in seinem Rollstuhl mit Hilfe eines Lifts zu Boden gelassen. Auf der Landebahn begrüßte ihn Stalins Außenminister Molotow; ein Eliteregiment hatte eine Ehrenwache gestellt, eine Militärkapelle spielte die Nationalhymnen. Als Roosevelt seine Verwunderung darüber äußerte, warum Stalin nicht persönlich zu seinem Empfang gekommen sei, wurde ihm erwidert, Stalin sei noch gar nicht in Jalta eingetroffen.

Bis zum Konferenzort waren noch einmal sechs Stunden Autofahrt erforderlich. Anschließend wurde dem kranken Roosevelt sofort Bettruhe verordnet. Am nächsten Morgen traf auch Stalin in Jalta ein.

Die Zukunft Polens

Mehr als 14 Monate waren seit dem Treffen der "Großen Drei" Ende November/Anfang Dezember 1943 in Teheran vergangen. Jetzt war das Ende des Krieges gegen Nazideutschland abzusehen und die Zeit gekommen, den Frieden zu organisieren. Es ging um die Zukunft Deutschlands und Polens, um den Krieg gegen Japan und die Gründung einer neuen Weltorganisation, der Vereinten Nationen. Es sei Aufgabe der Sieger, so Roosevelt, "den Frieden mindestens für 50 Jahre zu sichern".

Deutschland bereitete dabei noch die geringsten Schwierigkeiten. Es sollte in drei Besatzungszonen aufgeteilt, die oberste Regierungsgewalt dort von Militärregierungen übernommen werden; ein alliierter Kontrollrat in Berlin war als zentrale Behörde zuständig für Angelegenheiten, die Deutschland als Ganzes betrafen. Stalin gab dem Drängen Churchills nach: Frankreich sollte vierte Besatzungsmacht werden, vorausgesetzt, dessen Zone ginge nicht zulasten der sowjetischen Zone.

Die übrigen Entscheidungen über die Zukunft Deutschlands betrafen die Zerstückelung, die Reparationen und die endgültige Ostgrenze. Hier übernahm Stalin die Initiative, aber Roosevelt und Churchill vermieden jede Festlegung. Die Zerstückelung Deutschlands in einzelne Staaten sollte von einem Ausschuss in London geprüft werden; die Forderung Stalins nach zehn Milliarden Dollar (nach heutigem Wert etwa 100 Milliarden) für die Sowjetunion wurde lediglich als Diskussionsgrundlage akzeptiert.