Schließlich kam Stalin Roosevelt bei der Verwirklichung von dessen Lieblingsidee entgegen: Die noch offenen Fragen der Organisation der Vereinten Nationen wurden gelöst. Stalin zog seine ursprüngliche Forderung auf 16 Stimmen für die Sowjetunion in der UN-Vollversammlung zurück und beschränkte sich auf höchstens vier. Roosevelt machte dafür beim Vetorecht das entscheidende Zugeständnis: In allen Konfliktfällen, zu deren Lösung auch militärische Maßnahmen notwendig würden, sollte eine Großmacht ihr Veto einlegen können. Für Stalin war damit die Gefahr gebannt, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum Instrument einer antisowjetischen Politik würde.

Roosevelt und Churchill stimmten der - auch zwangsweisen - Rückführung sowjetischer Kriegsgefangener zu, die an der Seite Deutschlands gekämpft hatten (u.a. Soldaten der Wlassow-Armee).

In dem jahrzehntelang geheim gehaltenen Abkommen, das als "Verrat von Jalta" in die Geschichte eingegangen ist, hieß es dazu: "Alle von den alliierten Armeen befreiten sowjetischen Staatsbürger werden von den deutschen Kriegsgefangenen getrennt, bis sie den sowjetischen Behörden übergeben werden können. Marschall Stalin hofft, dass sie so schnell wie möglich nach Russland zurückgeführt werden können. Jene, die mit den Deutschen zusammengearbeitet haben, werden bei ihrer Rückkehr nach Russland entsprechend behandelt."

Für die betroffenen "Opfer von Jalta" bedeutete das Gulag oder Tod. Osttirol wurde wenig später Schauplatz eines der übelsten Kapitel in dieser Geschichte, als die Kosaken von den Briten zwangsweise in die Züge verfrachtet wurden: für sie das Todesurteil.

Der große Irrtum

Wenn von Jalta die Rede ist, verbindet sich bis in unsere Tage damit auch die Vorstellung, dass dort die "Teilung der Welt" bzw. die "Teilung Europas" beschlossen worden sei. So wurde die Wende 1989/90 als das "Ende der Ordnung von Jalta" bezeichnet.

Tatsache ist allerdings, dass auf der Konferenz in Jalta Europa bzw. die Welt nicht aufgeteilt wurde. Es wurde im Gegenteil von Churchill und Roosevelt zumindest der Versuch gemacht, diese Teilung zu überwinden, die angesichts der militärischen Realität längst existierte: Die Rote Armee stand in Bulgarien, Rumänien, Polen und Ungarn und war nur noch 90 Kilometer von Berlin entfernt. Weil dieser Versuch kläglich scheiterte, wurde Jalta in den 1950er Jahren zum Streitobjekt der amerikanischen Innenpolitik.

Am 11. Februar war die Konferenz zu Ende gegangen. Amerikaner und Briten hatten Jalta in gehobener Stimmung verlassen, davon überzeugt, gemeinsam mit der Sowjetunion den Grundstein für eine neue, bessere Welt gelegt zu haben. Roosevelts engster Vertrauter, Harry Hopkins, beschrieb das später so: "Wir glaubten im Herzen wirklich, ein neuer Tag sei angebrochen, der Tag, den wir alle seit so vielen Jahren ersehnt und über den wir so viel geredet hatten. Wir waren absolut überzeugt, den ersten großen Friedenssieg gewonnen zu haben."

Das war ein großer Irrtum, wie Stalins Politik in den von der Roten Armee besetzten Ländern in den folgenden Wochen deutlich machte. Im März meinte Roosevelt intern: "Stalin hat sämtliche Versprechungen nicht eingehalten, die er in Jalta gemacht hat." Als der amerikanische Präsident im April starb, gab es bereits die ersten Anzeichen für den Beginn eines neuen Krieges - des Kalten Krieges.