Tasman entdeckte das später nach ihm benannte Tasmanien, Teile des australischen Kontinents und zahlreiche Inseln, reklamierte indessen alle diese Lokalitäten nicht als holländischen Besitz. Cook lagen die Karten Tasmans vor, als er in dieser Region des Pazifiks nach Neuseeland Ausschau hielt.

In den heutigen Darstellungen der ersten Begegnung zwischen Europäern und den in Neuseeland wohnenden Maori werden diese beiden Aufeinandertreffen oft verwechselt. Tasman näherte sich relativ leutselig den Maori an der Westküste der Südinsel auf einem kleinen Küstenboot, wurde aber überraschend angegriffen. Vier Holländer kamen dabei ums Leben. Vom Schiff aus feuerte daraufhin die holländische Mannschaft auf die Maori in ihren ebenfalls relativ kleinen Uferkanus und tötete dabei acht Maori.

Obwohl die Holländer also doppelt so viele Maori getötet hatten als diese Holländer, blieb der holländische Name "Bucht der Mörder" bis heute erhalten. Auch bei seinem Abschied von Neuseeland, als Tasman noch einmal mit den Maori in Kontakt treten wollte, wurde er durch Steinwürfe von seinem Vorhaben abgehalten.

Der Vorfall in der "Bucht der Mörder" auf einem zeitgenössischen Bild von Isaack Gilsemans. - © Nationaal Archief
Der Vorfall in der "Bucht der Mörder" auf einem zeitgenössischen Bild von Isaack Gilsemans.
- © Nationaal Archief

Cooks spätere Landung an der Ostküste der Nordinsel blieb relativ konfliktfrei. Der heute von den Maori erhobene Vorwurf, Cook sei ein Mörder gewesen, der gleich einmal neun Maori getötet habe, ist von solider Geschichtskenntnis relativ unbeleckt. Tatsächlich besaß Cooks Landung eine film- oder kinderbuchtaugliche Qualität, wie überhaupt Cooks Seefahrten ausgesprochen filmgerecht wirken.

Eine Gallone Rum

Cook hatte dem ersten seiner Seeleute, der Land sichtete, eine Gallone Rum zugesichert, das waren rund 4,54 Liter. Erst wenige Tage zuvor hatte einer der Matrosen heimlich an den Rum-Vorräten geräubert und sich dabei etwa eine Gallone in einer Nacht hinter die Binde gekippt - bis zum Exitus.

Ein Nachbau von Cooks "Endeavour" verlässt den Hafen von Perth. - © afp/Greg Wood
Ein Nachbau von Cooks "Endeavour" verlässt den Hafen von Perth. - © afp/Greg Wood

Als nun der gerade erst zwölfjährige Schiffsjunge Nicholas Young - "Young Nick" genannt - als Erster vom Mastkorb aus "Land! Land!" rief, musste ihm Cook die versprochene Belohnung geben. Er habe sich die viereinhalb Liter Rum redlich verdient, aber in Anbetracht seiner Jugend müsse er diese Menge mit seinen Schiffskumpanen redlich teilen. Dafür wurde die nächste Landzunge in der Nähe der Landungsstelle auf den Namen "Young Nick’s Head" getauft. Das Datum war der 6. Oktober 1769.

Cook war zu diesem Zeitpunkt ein weitgereister Mann, wenige Monate vorher war er noch in Patagonien gewesen. Er sah, dass die Maori von Neuseeland in unbeschreiblicher materieller Armut lebten. Es gab buchstäblich nichts außer Salat und Fisch oder Muscheln zu essen, es gab keinerlei Felltiere, deren Pelze als Kleidung oder deren Fleisch als Nahrung taugten. In den kalten, regnerischen Wintern standen die Maori praktisch nackt im Wind. Sie bauten mühsam in Erdlöchern Süßkartoffeln an und fingen mit trickreichen Fallen die nicht eben flugbegeisterten heimischen Vögel.

Cook erkannte, dass er diesen Menschen helfen konnte: Er hatte Kartoffeln dabei, die im neuseeländischen Klima ausgezeichnet gedeihen würden, und er hatte Schweine an Bord, die sich mittlerweile bereits zu einer europäisch-asiatischen Unterart fortgepflanzt hatten, die es heute in dieser Form nur noch in Neuseeland gibt - und welche die Regierung des Landes indessen ausrotten möchte.

Bauern statt Seefahrer

Als Cook nach einem Jahr der kompletten Umseglung Neuseelands an seine ursprüngliche Landestelle zurückkehrte, fand er eine blühende Schweinezucht und körbeweise Kartoffel vor. Die Maori waren, wie ihre Vorfahren in Westasien, großartige Ackerbauern. Von der Seefahrt verstanden sie nur eben so viel, dass sie auf den Weiten des Pazifiks nicht alle ertrunken waren. Auch kannten sie nur drei Wörter für Seefahrt und Seefahrer.

Cook fielen aber auch noch ein paar andere Dinge auf. Es gibt bekanntlich in England drei verschiedene Wörter für "Hund": das von den Angeln und Sachsen eingeführte Hound, das von den dänischen Wikingern mitgebrachte Dog und das von den norwegischen Wikingern nach Schottland eingeführte Cur, ausgesprochen "Kör". Aber Cook bemerkte, dass der merkwürdig weiß-gelbliche Hund der Maori, den sie "Kuri" nannten, irgendwie ungewöhnlich wirkte. Dass sie anderswo einen schwarzen Hund hatten, den sie "Pero" nannten, war ebenfalls seltsam, denn Perro ist das spanische Wort für Hund. Offensichtlich diente dieses Wort auch als Schimpfwort, "Pero-Pero" in seiner Verdoppelung sogar als besonders starke Schmähung.

Ob die Spanier einmal hier gewesen waren? Diese Frage interessierte Cook weniger, denn er wollte Neuseeland für die englische Krone requirieren, ebenso wie den mythischen großen Kontinent "Australien", für den man bereits einen Namen parat hielt, noch bevor man den Kontinent selber gefunden hatte.

Immerhin galt der Hund in Neuseeland als Speisetier, und auch Cook empfand den Kuri als Delikatesse, vergleichbar mit Lammfleisch. Er soll deutlich Geschmack am Hundefleisch gefunden, aber auch eine gewisse Persönlichkeitsveränderung durchgemacht haben und zusehend knurriger und bissiger geworden sein.