Wien. Mit der alljährlichen touristischen Völkerwanderung auf die westlichen Mittelmeerinseln sind frühere Bevölkerungszüge nicht zu vergleichen. Dennoch spielte das Mittelmeer und seine Inselwelt schon in prähistorischen Zeiten eine wichtige Rolle in Wanderbewegungen, im Handel oder bei kriegerischen Auseinandersetzungen. Ein Internationales Team um Forschende der Uni Wien hat nun anhand alter DNA herausgefunden, woher die Bewohner der Balearen, Siziliens und Sardiniens kamen - aus der asiatischen Steppe, dem heutigen Iran oder auch Nordafrika, zeigen sie im Fachblatt "Nature Ecology & Evolution".

Erbgut von 66 Menschen

Aufgrund früherer groß angelegter Studien eines Forschungsverbundes um David Reich von der Harvard Medical School haben sich die Schleier rund um die Besiedlungsgeschichte von Festland-Europa in den letzten Jahren ein gutes Stück weit gelichtet. Über besagte Inseln war bisher jedoch wenig bekannt.

Die aktuelle Untersuchung umfasst das Erbgut von 66 Menschen, die vor bis zu 7000 Jahren auf einer der Inseln gelebt haben. Sieben der untersuchten Proben stammen aus der "Buffa II Höhle" auf Sizilien.

Bereits bekannt ist, dass in vielen Teilen Europas in der Bronzezeit Menschen aus den Steppengebieten der heutigen Ukraine und Russlands zuwanderten. Nun zeigte sich deren Einfluss auch auf den Balearen und Sizilien. Zur Überraschung der Forscher kamen diese Menschen aber nicht nur aus dem Osten Europas, sondern "zumindest teilweise aus dem Westen, nämlich von der iberischen Halbinsel", so Reich. "Demnach fungierte die iberische Halbinsel nicht nur als wichtiger Zielort für Ost-West-Wanderungen, sondern war auch Ausgangspunkt für West-Ost-Bewegungen".

In der mittleren Bronzezeit vor rund 3500 Jahren kamen offenbar vermehrt Menschen aus dem östlichen Mittelmeerraum in Sizilien an, deren Vorfahren wiederum einst aus den Gebieten des heutigen Irans stammten.

Seewanderungen aus Afrika

In dieser Periode fanden sich dagegen keine Hinweise auf Zuzug aus dem östlichen Mittelmeerraum auf den Balearen oder Sardinien. Obwohl Sardinien in den damaligen Handel im Mittelmeerraum eingebunden war, behielten die alten Sarden bis zum Ende der Bronzezeit ihr typisches jungsteinzeitliches Abstammungsprofil offenbar bei.

Die Forschungsergebnisse zeigen aber auch, "dass die Seewanderungen aus Nordafrika lange vor der Ära der Seefahrerzivilisationen des östlichen Mittelmeers begannen und darüber hinaus in mehreren Teilen des Mittelmeers stattfanden", erklärt der an der Studie beteiligte Ron Pinhasi von der Abteilung für Evolutionäre Anthropologie der Uni Wien.