Die Dekoration von Eiern steht dieser Tage wieder hoch im Trend. Wie Forscher der University of Bristol nun berichten, haben Menschen schon vor 5000 Jahren Straußeneier kunstvoll verziert und auch damit gehandelt. Sie waren mit fein geschwungenen Blütenblättern, detailliert gekratzten Widderköpfen und kunstvollen Bemalungen geschmückt. Sie galten als Luxusgut der Antike und sind wohl auch als Vorläufer der bekannten Fabergé-Eier zu sehen. Bisher war allerdings wenig über die komplexe Lieferkette der schon in der Bronze- und Eisenzeit begehrten Eier bekannt. Für den österlichen Dekoteller wären sie definitiv zu schade.

Von wilden Straußen

Ein reich verziertes Ei vom etruskischen Isis-Grab im italienischen Vulci. - © University of Bristol/Tamar Hodos
Ein reich verziertes Ei vom etruskischen Isis-Grab im italienischen Vulci. - © University of Bristol/Tamar Hodos

"Das gesamte Herstellungsprozedere dekorierter Straußeneier war viel komplizierter, als wir es uns vorgestellt hatten. Wir fanden auch Hinweise darauf, dass die Regionen der Antike viel stärker miteinander vernetzt waren als bisher angenommen", betont die Archäologin Tamar Hodos von der Bristol School of Arts im Fachblatt "Antiquity".

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Unter ihrer Leitung untersuchte das Team Straußeneier aus der Sammlung des British Museum. Mittels Rasterelektronenmikroskopie konnte deren chemische Zusammensetzung ermittelt werden, die Auskunft über Herkunft und Herstellung gibt. Demzufolge seien mediterrane Strauße im östlichen Mittelmeerraum und in Nordafrika beheimatet gewesen.

Die Forschenden konnten unterscheiden, welche Eier in welchen Klimazonen gelegt wurden. "Was uns am meisten überraschte, war, dass Eier aus beiden Zonen an Standorten in der anderen Zone gefunden wurden, was auf umfangreiche Handelswege hindeutet", berichtet Hodos.

Die chemische Analyse ergab auch, dass die Eier vermutlich von wilden Straußen stammten - angesichts der potenziellen Gefahr, die von den Riesenvögeln ausgeht, war das Einsammeln für die damaligen Menschen eine riskante Aufgabe. Bei der Entnahme von Eiern von Wildvögeln haben sie sich einem enormen Risiko ausgesetzt. Dies war also keine gewöhnliche Eiersuche, wie wir sie heute kennen.

"Wir haben auch festgestellt, dass Eier eine gewisse Zeit zum Trocknen benötigen, bevor die Schale schließlich geschnitzt werden kann, und daher eine sichere Lagerung erfordern", so die Wissenschafterin weiter. Dies habe wirtschaftliche Auswirkungen, da die Lagerung eine langfristige Investition erfordert und dies zusammen mit dem damit verbundenen Risiko den Luxuswert eines Eies erhöht.

Verwendung von Luxusgut

Die Studie ist Teil eines laufendes Forschungsprojekts zu antiken Luxusgütern. Dabei werde nicht nur bewertet, wie antiker Luxus hergestellt, sondern auch, wie er von verschiedenen Völkern verwendet wurde. "Diese Fragen sind für unsere heutige Gesellschaft unglaublich wichtig, in der ein und dasselbe Objekt unterschiedliche soziale oder symbolische Bedeutungen haben kann. Dieses Wissen und Verständnis tragen dazu bei, Toleranz und gegenseitigen Respekt in einer multikulturellen Gesellschaft zu fördern", erklärt Hodos.

"Wenn wir diese Mechanismen in der Vergangenheit verstehen können, können wir dieses Wissen besser nutzen und unsere eigene Gesellschaft auf verschiedene Art und Weise besser informieren", so die Wissenschafterin.