Vor 9000 Jahren zogen Jungsteinzeitbauern aus der Levante kommend durch Europa. Sie wurden aber meist durch kühles Klima gebremst, die Ankömmlinge mischten sich dann mit ansässigen Jägern und Sammlern, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal "Nature Human Behaviour". Nur die warme Mittelmeerroute ermöglichte unverzögerte Einwanderung.

Auf der warmen Mittelmeerroute gab es keine Verzögerungen. - © APAweb / dpa
Auf der warmen Mittelmeerroute gab es keine Verzögerungen. - © APAweb / dpa

Ein Team um Andrea Manica von der britischen Universität Cambridge untersuchte anhand archäologischer Funde die Einwanderungsgeschwindigkeit der Jungsteinzeitbauern auf den vier bekannten Hauptrouten: Entlang des Mittelmeeres, durch Zentraleuropa bis England, von Mitteleuropa nach Skandinavien und vom Balkan direkt in den Nordosten Europas. An der Studie war auch Ron Pinhasi vom Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien sowie der Österreicher Philip Nigst von der Universität Cambridge beteiligt.

Alle vier Einwanderungsachsen hatten zunächst eine sich rasch voranbewegende "Expansionsfront", so die Forscher. Dahinter füllten die Neuankömmlinge die benachbarten Gebiete. Bei drei Routen wurde die Einwanderung aber gebremst, und zwar vor 8.200 Jahren in Zentraleuropa, vor 7.400 Jahren nach Skandinavien und vor 7.700 Jahren Richtung Nordeuropa. Auf der Mittelmeerroute kamen die Einwanderer hingegen ohne Verzögerung bis zur Atlantikküste auf der Iberischen Halbinsel.

Zu wenig Nutzpflanzen

Die Forscher fanden heraus, dass die Bauern offensichtlich durch niedrige Temperaturen gebremst wurden. In Regionen, wo es zu wenige Pflanzenwachstumstage über fünf Grad Celsius oder zu niedrige Sommertemperaturen gab, standen sie quasi an. Offensichtlich wuchsen ihre wärmeliebenden Nutzpflanzen, die sie aus dem Südosten mitgebracht haben, dort nicht gut genug, um sie üppig zu versorgen. Von diesem Problem wurden die Einwanderer entlang der warmen Mittelmeerküste nicht behelligt.

Die DNA in den alten Menschenknochen von den Fundstellen quer durch Europa verriet den Forschern, dass sich die Jungsteinzeitbauern überall dort viel mehr mit den hiesigen Jäger-und Sammlervölkern mischten, wo ihre Einwanderung gebremst wurde. Wenn ihre Nahrungsmittelproduktion nicht mehr verlässlich funktionierte, kamen die Bauernvölker wohl selbst wieder mehr auf das Jagen und Sammeln zurück, meinen die Forscher. Sie tauschten Waren mit den ansässigen Jäger-Sammlern aus, und lernten ihr Wissen über die lokalen Begebenheiten zu schätzen. Und sie hatten miteinander Sex und zeugten Nachkommen. (dpa/apa)