Die Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte Österreichs, dem Austro-Faschismus und dem Nationalsozialismus, ist jung und derzeit - wohl auch Corona-bedingt - in stürmischen Gewässern und damit in unsicheren Fahrwassern. Denn für das Haus der Geschichte Österreichs (HdGÖ) gibt es momentan keine Perspektive über das Jahr 2021 hinaus.

"Wir haben aktuell eine Basisabgeltung von 1,2 Millionen Euro. Damit decken wir die Personalkosten für 13 Vollzeit-Äquivalente, Miete und Betriebskosten", erklärt HdGÖ-Direktorin Monika Sommer vor dem Hintergrund der für 15. Oktober angesetzten Budgetrede des Finanzministers: "Wir benötigen eine politische Entscheidung, wie es weitergeht. Die zwei Jahre Vorlauf, die wir für die nächste Ausstellung benötigen, haben wir schon jetzt nicht mehr."

Zur Historie: Die Debatte um ein Haus der Geschichte begann bereits in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre. Anders als in anderen Ländern - etwa in Deutschland mit seiner ebenso komplexen Geschichte, oder auf europäischer Ebene in Brüssel -, wo Zentren für die Darstellung und Erforschung der Zeitgeschichte relativ zügig gebaut wurden - dauerte hierzulande die Verwirklichung eines Hauses der Geschichte deutlich länger. Erst im Herbst 2018 wurde das neue Museum rund um die Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Gründung der Republik eröffnet - aus budgetären Gründen aber in reduzierter Form auf 1870 Quadratmetern in den Gartenräumen der Neuen Burg am Wiener Heldenplatz, die es mit dem Ephesos Museum teilt.

Kulturminister Thomas Drozda sicherte ein Budget für zunächst drei Jahre. Nach den Nationalratswahlen wurde auf Initiative von Kanzleramtsminister Gernot Blümel und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka im Jänner 2019 eine Evaluierungskommission eingesetzt. Danach kam aufgrund des Ibiza-Skandals die türkis-blaue Regierung abhanden. Als Übergang wurde die Hauptausstellung "Neue Zeiten: Österreich seit 1918" verlängert und aktualisiert, sodass sie jetzt unter anderem auch den Ibiza-Skandal und die Covid-19-Pandemie abbildet. "Die Ausstellung läuft jetzt bis Ende 2021", erklärt Museumsdirektorin Sommer

Auch der Ort des Museums ist weiterhin nicht klar

Wie geht es weiter? Dazu von der "Wiener Zeitung" befragt, spielte Sobotka, der zum Zeitpunkt der Evaluierung dafür plädiert hatte, das HdGÖ enger an das Parlament anzubinden, den Ball ein Haus weiter. "Der Evaluierungsbericht der Expertenkommission aus 2019 liegt auf dem Tisch und auch die beiden Regierungsparteien sind in ihrem Programm grundsätzlich übereingekommen, die Zukunft des Hauses der Geschichte diskutieren zu wollen. Vor dem Hintergrund der dramatischen Ereignisse rund um Covid-19 ist es jedoch verständlich, dass dieser Diskurs nicht in dem Maße geführt oder zu einem Ende gebracht werden konnte", heißt es aus seinem Büro im Parlament: "Der Präsident kann und möchte solchen Gesprächen nicht vorgreifen."

Bedeckt, aber immerhin leise Hoffnung machend, gibt sich Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. "Wir arbeiten in enger Kooperation mit allen Beteiligten an einer guten Lösung für die Zukunft des Museums. Ich bin zuversichtlich, dass uns dies gelingt. Mir ist es auf jeden Fall sehr wichtig, dem Team des Hauses alsbald eine Perspektive zu geben", sagte sie zur "Wiener Zeitung".

Auf der Parlamentshomepage ist ein Antrag vom Mai dieses Jahres zu finden, in dem die NEOS ein Bundesgesetz fordern, mit dem das derzeit zur Nationalbibliothek gehörende Haus der Geschichte den Status eines eigenständigen Bundesmuseums erhält. "Zu meinem Bedauern tut sich bei dem Thema nichts. Mein Antrag wurde im letzten Kulturausschuss im Mai nicht wirklich besprochen und auch gleich vertagt", sagt der Abgeordnete Josef Schellhorn, der seinen Antrag "beim nächsten Ausschuss im November erneut auf die Tagesordnung setzen lassen" will. "Der Idee, das HdGÖ ans Parlament anzubinden und damit die Hand der Politik draufzuhaben, werden wir auch in der Präsidiale nicht zustimmen. Die kritische Auseinandersetzung mit Zeitgeschichte ist für eine Demokratie überaus relevant und darf nicht von der aktiven Politik vereinnahmt werden", betont er.

Seit der Eröffnung am ersten November 2018 hatten per 30. September dieses Jahres 147.462 Menschen das HdGÖ besucht. "Ich hoffe sehr, dass noch heuer politische Weichenstellungen getroffen werden in Bezug auf Ort, Budget und Rechtsform des Museums", betont Direktorin Sommer.