In der frühen Bronzezeit, also etwa 2150 bis 1700 v. Chr., wurden in Mitteleuropa Kupfer- und Bronzeobjekte als eine frühe Form von Geld verwendet. Als Euro der damaligen Zeit fungierten dabei Ringe, Spangen und Äxte, deren Form und Gewicht standardisiert waren. So war das Gewicht vom Großteil der untersuchten Ringe so ähnlich, dass man es mit der Hand nicht unterscheiden konnte, berichten Niederländische Archäologen im Fachjournal "Plos One".

Zahlungsmittel bevor es Münzen gab

Die Entwicklung von Geld und kohärenter Gewichts- und Maßsysteme gehören zu den bedeutendsten prähistorischen Entwicklungen des menschlichen Intellekts, schreiben Maikel Kuijpers und Catalin Popa von der Fakultät für Archäologie der Universität Leiden in den Niederlanden in ihrer Arbeit. Bevor Münzen geprägt oder Geldscheine gedruckt wurden, kamen verschiedene vormünzliche Zahlungsmittel zum Einsatz, deren Spektrum von Muscheln über Salzbarren bis zu Bronzeobjekten reichten. Ein wesentliches Merkmal dabei ist die Standardisierung. Bei Gewichtssystemen waren hier Ägypten, Mesopotamien und die Ägäis allerdings dem mitteleuropäischen Raum deutlich voraus.

5.000 Artefakte untersucht

Die Wissenschafter untersuchten in ihrer Studie mehr als 5.000 Ösenringe, Spangenbarren und Axtklingen aus Kupfer und Bronze. Ringe und Spangen wurden dabei vor allem in der Donauregion in Süddeutschland, Niederösterreich und Teilen Tschechiens gefunden, Axtklingen typischerweise in Mittel- und Nordostdeutschland, heißt es in der Arbeit. Dazwischen gibt es ein Gebiet, in dem Ringe, Spangen und Äxte regelmäßig zusammen gefunden wurden, vor allem in Mähren und Böhmen. In geringerer Zahl kommen diese Objekte auch in Südskandinavien vor.

Viele dieser Objekte wurden in großer Zahl gefunden, manchmal in Horten mit mehreren hundert Stück. So wurde etwa 2014 in Oberding in Bayern ein Depot mit 796 Spangenbarren aus Kupfer entdeckt, der aus der frühen Bronzezeit stammt. "Für unsere Untersuchung haben wir gezielt Horte ausgewählt, die mindestens fünf Ringe, Spangen und/oder Äxte enthalten haben", erklärte Kuijpers gegenüber der APA.

Vergleich per "Weber-Fechner-Gesetz"

Kuijpers und Popa verglichen die Gewichte dieser Objekte statistisch, und zwar unter Einbeziehung des sogenannten "Weber-Fechner-Gesetzes", das aus der Wahrnehmungspsychologie kommt. Demnach müssen Gegenstände in der Hand einen Gewichtsunterschied von rund zwei Prozent aufweisen, damit man ihn wahrnehmen kann. Um also die Gewichtszunahme eines Objekts mit 50 Gramm wahrzunehmen, muss dessen Gewicht auf 51 Gramm steigt. Wiegt der Gegenstand einen halben Kilo, muss er um zehn Gramm zulegen, um schwerer zu wirken. Dieses Prinzip ist in einer Zeit und Region entscheidend, als es noch keine Waagen gab und die Menschen Gewichte mit der Hand verglichen.

Ringe und Nagelähnliche Ggegenstände liegen auf Tüchern auf einem Tisch - © Naturhistorisches Museum Leipzig
Die frühen Währungen und Zahlungsmittel der Bronzezeit waren standardisiert. - © Naturhistorisches Museum Leipzig

Der Studie zufolge waren etwa 70 Prozent der untersuchten Ringe - sie hatten ein Durchschnittsgewicht von rund 195 Gramm - ähnlich genug, um in der Hand nicht als unterschiedlich schwer wahrgenommen zu werden. Die Spangenbarren teilten die Forscher in eine schwerere und eine leichtere Gruppe. Bei letzterer hatten 38 Prozent der Spangen ein Gewicht von rund 81 Gramm, bei ersterer wogen 71 Prozent etwa 186 Gramm. Geringer war die Übereinstimmung bei den Axtklingen, wo rund ein Drittel der untersuchten Objekte ein Gewicht von rund 285 Gramm hatte.

Hinweis auf standardisierte Währung

Die Autoren vermuten jedenfalls, dass diese Ähnlichkeit in Form und Gewicht, zusammen mit der Tatsache, dass diese Objekte oft in Horten entdeckt wurden, auf eine Verwendung als frühe Form einer standardisierten Währung hindeuten. Es gebe auch Belege dafür, dass sie über größere Entfernungen ausgetauscht wurden: "Wir sehen etwa Ringe, die in Dänemark oder Frankreich gefunden wurden, wenn auch nicht so viele wie in der Hauptregion", so Kuijpers.

Am Ende der Frühbronzezeit seien Ösenringe und Spangenbarren dann verschwunden, und es begann ein Handel mit Altmetall und Gusskuchen. Voraussetzung dafür seien zwei Entwicklungen gewesen, betonen die Forscher: Jene von Waagen und die kognitive Entwicklung eines Wägesystems. Die frühesten Belege dafür in Mittel- und Westeuropa würden aus der mittleren Bronzezeit stammen.