Wien. Schon in der Bronzezeit wurden Bergarbeiter mit schon vorverarbeiteter Nahrung versorgt. Zwar nicht mit dem Fahrrad und Thermorucksäcken, wie die Lieferdienste heute das Stadtbild zieren, jedoch immerhin durch frühzeitliche Lieferdienste. Ein österreichisches Forscherteam fand entsprechende Spuren, etwa verkohlte Krusten von Speisen, aus der Kupfermine von Prigglitz-Gasteil bei Gloggnitz in Niederösterreich.

Bereits in prähistorischen Bergbaustätten waren demnach spezialisierte Handwerker und Bergleute tätig, die ihre Nahrung nicht selbst produzierten. So war etwa Hallstatt ein Großbetrieb, wo nicht nur Salz abgebaut, sondern dieses auch gleich zum Pökeln von Schweinefleisch genutzt wurde. Die Tiere für diese Fleischindustrie wurden von Züchtern im Alpenvorland entlang der Donau oder aus dem Judenburger und Klagenfurter Becken nach Hallstatt getrieben, wie die Archäologen und Archäobotaniker um Andreas Heiss vom Österreichischen Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften im Fachblatt "Plos one" berichten.

Verkohlte Krusten

Verkohlte Speisereste geben Aufschluss über deren Verarbeitung. - © ÖAW / Wiesinger, Heiss
Verkohlte Speisereste geben Aufschluss über deren Verarbeitung. - © ÖAW / Wiesinger, Heiss

Die Wissenschafter untersuchten dort gefundene Pflanzen- und Speisereste. Die Analyse der pflanzlichen Kost ist ungleich schwieriger als jene der tierischen Nahrungsmittel. Während sich Letztere gut anhand der Knochenüberreste untersuchen lassen, bleiben pflanzliche Speisen nur unter speziellen Bedingungen erhalten - etwa als verkohlte Krusten von Speisen.

Verkohlte Reste von mehr oder wenigen intakten Samen oder Früchten und Blättern werden schon länger in den meisten Grabungen ausgewertet, die Resultate ihrer Verarbeitung wurden aber lange nicht beachtet, betont Heiss.

Unter den gefundenen Überresten in Prigglitz-Gasteil fanden die Forscher so überwiegend küchenfertig gereinigtes Getreide, vor allem Rispenhirse und Kolbenhirse, aber auch Gerste und Emmer, eine Weizensorte. Neben den Getreidekörnern selbst konnten sie in den Krusten aber auch Reste von daraus hergestellten Speisen identifizieren, etwa fein zerkleinerte Hirsepelzen und Gerstenkleie. "Beides deutet darauf hin, dass aus Hirse und Gerste Brei gekocht wurde."

Vorgekochter Porridge

Nachdem die Forscher auch Kochgeschirr gefunden haben, aber keine Geräte zur Verarbeitung von Getreide wie Reibsteine, deutet für sie alles auf die Anlieferung von gereinigtem Getreide hin. "Vielleicht wurden einige Gerichte auch bereits vorgekocht zu den Bergleuten gebracht", so der Archäobotaniker. Nun sollen die Ernährungsgewohnheiten der Bergleute noch detaillierter untersucht werden. Die Abbaustätte war zwischen dem 11. und 9. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung aktiv.