Es mangelt weder an Ideen noch an kreativen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, schon gar nicht am Engagement des Redaktions- und Leitungsteams oder dem der unzähligen ehrenamtlichen Autoren, Programmierer und Editoren. Man kann auch nicht sagen, das Austria Forum werde nicht mehr gebraucht, jeden Tag werden rund 18.000 Seiten auf diesem Portal aufgerufen. Und doch ist das Austria Forum bedroht: Am Montag schickte Hermann Maurer, der Gründungsvater des Forums, über die Austria Presse Agentur, APA, einen Hilferuf in die Welt: Das Austria Forum ist in seiner Existenz gefährdet. Das Geld reicht nur noch für wenige Monate. Es ist so brenzlig, dass diese Aussendung nur möglich war, weil die APA sie ohne Kosten für das Forum an die Redaktionen verschickte.

Das Austria Forum war einmal ein Pionier des Internets. Hermann Maurer, mittlerweile emeritierter Professor für Informatik, brachte es 1995 unter dem Namen "AEIOU" als eine Art Enzyklopädie für österreichische Themen aus allen Wissensgebieten ans Netz. Das Austria Forum wird getragen von dem gleichnamigen Verein und "sehr viel Herzblut", wie Hermann Maurer sagt. Noch heute leisten ehemalige Doktoranden von ihm und eine weltweite Informatik-Community unentgeltliche Programmierarbeit.

Hinter schlichter Fassade

Dem äußeren Anschein nach mag das Austria Forum etwas altmodisch daherkommen, als sei das Internet irgendwann in den 2000er Jahren stehengeblieben. Hinter der schlichten Fassade verbirgt sich aber eine Art verbessertes Wikipedia 4.0.

Zunächst einmal werden die Einträge anders als bei dem 2001 gegründeten globalen Online-Nachschlagewerk von Autorinnen und Autoren verfasst, die mit ihrem Namen für die Inhalte geradestehen und die auch für die Nutzer ansprechbar sind, jeder Eintrag hat eine Feedback-Funktion. Die Einträge werden von einer Redaktion, die meisten Mitglieder arbeiten ehrenamtlich, editiert und durchgesehen. Hermann Maurer berichtet nicht ohne Stolz, dass manche Anfragen für Essays von potenziellen Autoren abgelehnt werden, mit dem Argument, dass die Ansprüche des Austria Forums an Genauigkeit zeitaufwendig seien, aufwendiger als Beiträge für Wikipedia.

Über einen neuen Suchmechanismus, die "Ultrasuche", erschließt das Austria Forum für eine allgemeine Öffentlichkeit auch lexikalische Sammlungen auf anderen Servern. Derweil kann das Service noch kostenlos angeboten werden.

Mit "NID" hat das Austria Forum eine eigenständige Anwendung programmiert, mit der PDFs nicht nur gelesen und heruntergeladen werden, sondern durch die Nutzer ergänzt werden können: Sie können kommentieren, Bilder bei bestimmten Begriffen ergänzen, Nachfragen an die Autoren stellen. Das Austria Forum schafft so eine öffentliche Sphäre im Internet, in der Informationen kostenlos zugänglich sind und virtuell diskutiert werden kann. "Ich bin überzeugt, dass das Lesen in Zukunft interaktiv sein wird, nicht mehr passiv", sagt Maurer.

Vom damaligen Bildungsministerium mitbegründet, hat sich das Ministerium inzwischen aus der Finanzierung zurückgezogen. Projekte wie das Austria Forum können nicht mehr direkt von den Ministerien unterstützt werden, sondern sie sollen bei den beiden großen Fördereinrichtungen in Österreich, der Forschungsförderungsgesellschaft FFG oder dem Wissenschaftsfonds (FWF), ansuchen. Für die FFG fehlen Maurer die Firmen, für den FWF ist das Austria Forum zu weit entfernt von der Grundlagenforschung. Die kommenden Monate wird das Forum durch Spenden sowie Sach- und Geldzuwendungen, unter anderem von der TU Graz, der Uni Wien und der Universität für Bodenkultur über die Runden kommen. Wie es danach mit dem gemeinnützigen Projekt weitergehen soll, ist offen.