Washington. Dank einer neuen DNA-Technik ist ein Urenkel des Stammeshäuptlings Sitting Bull (Foto links) identifiziert worden. Ein Forschungsteam um Eske Willerslev von der britischen Universität Cambridge und dem Lundbeck Foundation Geogenetics Centre in Dänemark präsentierte die neue Methode in der Fachzeitschrift "Science Advances".

- © apa / afp / Nat. Portrait Gallery / Smithsonian Inst.
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Willerslev fand nach eigenen Angaben eine Möglichkeit, die Verwandtschaft anhand von geschlechtsspezifischer "autosomaler" DNA zu prüfen. Damit könnten auch die Nachfahren weiterer historischer Persönlichkeiten identifiziert werden, vom berüchtigten Banditen Jesse James bis hin zur russischen Zarenfamilie. Die Anforderung dafür sei lediglich eine DNA-Probe des Verstorbenen.

- © afp / Nat. Portrait Gallery / Smithsonian Inst. / Lapointe
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Bei bisherigen genetischen Studien suchten Forschende nach Übereinstimmungen zwischen der DNA im Y-Chromosom der männlichen Linie. Wenn der Verstorbene weiblich war, wird die DNA in den Mitochondrien näher betrachtet. Im Fall von Sitting Bull konnten jedoch beide Methoden nicht genutzt werden, da es sich um einen männlichen Vorfahren handelt, der mütterlicherseits mit seinem Urenkel verwandt ist. Die Wissenschafter untersuchten daher autosomale DNA aus einem Zopf des Häuptlings und entwickelten eine Berechnungsmethode, um sie mit der DNA des Nachfahren und 13 anderer Mitglieder des Lakota-Sioux-Stammes zu vergleichen. Die Forscher prüften, ob Ähnlichkeiten im Genom tatsächlich auf eine enge Verwandtschaft hindeuteten.

Der Urenkel Ernie Lapointe (Foto rechts) verfügte zwar über Geburts- und Sterbeurkunden des Häuptlings, konnte die Verwandtschaft jedoch zuvor nicht endgültig belegen. Sitting Bull, der Tatanka-Iyotanka hieß, führte 1876 rund 1.500 Lakota-Krieger in die Schlacht am Little Bighorn. Dabei töteten die Indigenen den US-General George Armstrong Custer.