Am Tag von Pearl Harbor starteten die Japaner gleichzeitig Angriffe an drei Fronten. Nach der Eroberung von British Malaya kapitulierte Singapur am 15. Februar 1942. Das öffnete den Weg nach Niederländisch-Ostindien (das heutige Indonesien). Am 9. März kapitulierten die Holländer. Der zweite Angriff ging gegen Guam, den amerikanischen Außenposten auf den Marianen, und Wake, das am 23. Dezember fiel.

Die dritte Front waren die Philippinen. Am 21. Dezember schlossen die Japaner den Ring um die Hauptstadt Manila. Der amerikanische General Douglas MacArthur erklärte sie zur offenen Stadt und wich in den Dschungel der Halbinsel Bataan aus. Am 22. Februar verließ er auf Befehl von US-Präsident Roosevelt die Truppe und ging nach Australien, um dort das Oberkommando über die US-Streitkräfte im Südwestpazifik zu übernehmen. Am 9. April mussten 76.000 amerikanische und philippinische Soldaten auf Bataan kapitulieren. 2.000 war es gelungen, sich auf die Felseninsel Corregidor zu retten. Nach wenigen Wochen beherrschten die Japaner fast den gesamten Westpazifik und Südostasien. Dann gab es die erste Überraschung für sie.

"Doolittle Raid"

Für die Amerikaner waren die Japaner nur noch die yellow bastards. Pearl Harbor schrie nach Vergeltung. Bomben auf Tokio waren zwar die von US-Präsident Roosevelt gewünschte Antwort, aber das war ein extrem schwieriges Unternehmen. Japan lag außerhalb des Aktionsradius aller landgestützter US-Bomber, ein Angriff durch normale Trägerflugzeuge wäre selbstmörderisch gewesen.

Es wurde ein anderer Weg gefunden: Start von Bombern von einem Flugzeugträger 600 Kilometer vor Japan, Abwurf der Bomben, Landung dann in dem von Japan noch nicht besetzten Teil Chinas. Am 1. April verließ der neueste amerikanische Flugzeugträger, die USS Hornet, mit 16 an Deck festgezurrten B-25 Bombern San Francisco in Richtung Japan. Auf halbem Weg stieß der Flugzeugträger Enterprise mit vier Kreuzern, acht Zerstörern und zwei Ölschiffen hinzu. Oberstleutnant James H. Doolittle führte die Kampfflugzeuge.

Was folgte, ist als Doolittle Raid in die Geschichte des Pazifikkrieges eingegangen. Am Morgen des 18. April wurde der Verband von einem japanischen Patrouillenboot entdeckt - 1.100 Kilometer vor dem Ziel. Admiral Halsey, Leiter des Unternehmens, wollte abbrechen, Doolittle entschied sich für den sofortigen Start, trotz des Risikos durch die weitere Entfernung. Gegen Mittag warfen 13 Maschinen ihre Bomben über Tokio ab, die übrigen drei über Osaka, Kobe und Nagoja.

Der Weiterflug war schwierig. Eine Maschine landete in Wladiwostok in der - damals - neutralen Sowjetunion, die Besatzungen von elf Maschinen stiegen mit dem Fallschirm über China aus und wurden von Nationalchinesen gerettet; es gab vier Bruchlandungen. Die Japaner machten acht Gefangene, verurteilten drei zum Tode und enthaupteten sie.

Der Doolittle Raid richtete zwar keine großen Schäden an, war aber in anderer Hinsicht fast schon von strategischer Bedeutung: Er trug mit dazu bei, die Wende im Pazifikkrieg herbeizuführen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die japanischen Militärs davon überzeugt, dass Japan außerhalb der Reichweite amerikanischer Flugzeuge lag und auch keiner ihrer Flugzeugträger in Angriffsnähe zu Tokio operieren konnte. Umso überraschter waren sie jetzt und zogen die falschen Konsequenzen. Aus Furcht vor einem weiteren Angriff entschieden sie, den von ihnen besetzten Raum nach Osten und Südosten zu erweitern. Im Südosten hieß das die Eroberung des Stützpunktes Port Moresby an der Südostspitze Neuguineas, im Osten die Besetzung von Midway.

Mit Port Moresby würde Japan nicht nur eine vorgeschobene Operationsbasis erhalten, sondern auch die Herrschaft über das Korallenmeer übernehmen - das wiederum als Voraussetzung für eine Isolierung Australiens und mögliche Landung dort. Die Amerikaner hatten den japanischen Funkcode geknackt, kannten deren Plan und hatten die Flugzeugträger Yorktown und Lexington mit 121 Flugzeugen, elf Zerstörern und acht Kreuzern entsandt. Ihnen standen auf japanischer Seite die zwei großen Flugzeugträger Shokaku und Zuikaku und der kleinere Shoho mit 122 Flugzeugen gegenüber, begleitet von einer Invasionsflotte aus Kreuzern, Zerstörern und Landungsschiffen.

Vom 4. bis 8. Mai kam es im Korallenmeer zur ersten Seeschlacht in der Geschichte, in der sich die zwei feindliche Flotten bekämpften, ohne sich je gesehen zu haben, da sie im Abstand von 100 bis 150 Kilometer operierten. Die Gefechte wurden ausschließlich von Flugzeugen der Träger geführt. Von nun an waren nicht mehr Schlachtschiffe entscheidend, sondern Flugzeugträger.

Die schwer getoffene Lexington, bevor sie versank. 
- © Naval History & Heritage Command, Public domain, via Wikimedia Commons

Die schwer getoffene Lexington, bevor sie versank.

- © Naval History & Heritage Command, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Japaner versenkten die Lexington, die Yorktown wurde schwer beschädigt; die Amerikaner versenkten den kleinen Träger Shoho und beschädigten die zwei großen Träger so schwer, dass sie bei der nächsten Operation der Japaner, Midway, nicht eingesetzt werden konnten. Nach dem Untergang der Shoho machte der japanische Geleitzug kehrt. Zum ersten Mal war eine japanische Invasion gestoppt worden.

Japans Niederlage

Was aus japanischer Sicht in Pearl Harbor nicht erreicht worden war und nach dem Doolittle Raid und dem Kampf im Korallenmeer dringender denn je war, sollte in einer groß angelegten Operation bei Midway dann zu Ende gebracht werden: die vollständige Vernichtung der amerikanischen Pazifikflotte.

Der dafür vom Oberbefehlshaber der Kaiserlichen Flotte, Admiral Yamamoto, eingesetzte Verband umfasste fast die gesamte japanische Marine: Elf Schlachtschiffe, vier große und zwei kleine Flugzeugträger, 18 Kreuzer, 61 Zerstörer, 21 U-Boote, etliche Transporter, Tanker, Landungsfahrzeuge etc. Er selbst leitete die Gesamtoperation von der Yamato aus, dem größten Schlachtschiff der Welt. Für den Trägerverband hatte wie in Pearl Harbor Admiral Nagumo das Kommando.

Ein Angriff mit den zwei kleinen Trägern bei den Aleuten (der Inselkette am Südrand des nordpazifischen Beringmeers, Anm.) war als Ablenkungsmanöver gedacht: Während die Amerikaner dort reagieren würden, würde man Midway einnehmen und dann hier die US-Flotte bei der Rückeroberung der Insel stellen und vernichten. Am 26. Mai verließ der Verband Japan. Ein Sieg schien sicher.

Einsatzkarte der Schlacht um Midway nach "Seeschlachten der Weltgeschichte" von William Koenig. 
- © Keysanger, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Einsatzkarte der Schlacht um Midway nach "Seeschlachten der Weltgeschichte" von William Koenig.

- © Keysanger, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Was Yamamoto nicht wusste bzw. worüber er falsch informiert war: Er ging von nur zwei amerikanischen Flugzeugträgern aus - der Hornet und der Enterprise -, die weit weg von Midway in den Salomonen operieren sollten (aber inzwischen auf dem Weg nach Pearl Harbor waren). Und es gab einen dritten Träger: die Yorktown. Sie war nicht, wie Yamamoto gemeldet worden war, im Korallenmeer gesunken, sondern hatte, schwer beschädigt, Pearl Harbor erreicht und war dort in 48 Stunden - statt der berechneten drei Monate - wieder einsatzbereit gemacht worden. Das war möglich, weil beim Überfall auf Pearl Harbor die Werftanlagen nicht zerstört worden waren. Am wichtigsten war der dritte Punkt. Die Amerikaner hatten bekanntlich den japanischen Funkcode geknackt. Mitte Mai registrierten sie einen intensiven Funkverkehr, die Buchstabengruppen enthielten, von denen bekannt war, dass sie zu Orten auf den Aleuten gehörten.

Und dann war da die Formel AF. Was bedeutete AF? Um das herauszufinden, setzte Midway auf Befehl von Admiral Nimitz, dem Oberbefehlshaber der US-Pazifikflotte, einen offenen Funkspruch ab, in dem von Schwierigkeiten bei der Wasseraufbereitung auf Midway die Rede war. Als in einem japanischen Funkspruch dann von entsprechenden Schwierigkeiten auf AF die Rede war, war klar: Midway war das Ziel der japanischen Flotte, nicht die Aleuten. Nimitz ordnete umfangreiche Verteidigungsmaßnahmen an und brachte seine drei Flugzeugträger in Position. Die Japaner ahnten von alldem nichts.

Bei ihrem Angriff auf Midway am Morgen des 4. Juni erlitten die japanischen Flugzeuge erhebliche Verluste. Da die Insel kampffähig blieb und auch die Landebahn des Flughafens nicht getroffen worden war, gab der japanische Pilot auf dem Rückflug den Funkspruch durch: "Zweiter Angriff notwendig." Das war der Anfang vom Ende. Alles geschah innerhalb der nächsten zwei Stunden.

Befehl: "Umkehr!"

Für den zweiten Angriff befahl Nagumo die Umrüstung der für den Kampf gegen amerikanische Schiffe - die man noch nicht gesichtet hatte - vorgesehenen Flugzeuge: statt Torpedos jetzt Bomben. Bomben und Torpedos stapelten sich auf den Decks. Dann meldete ein japanischer Aufklärer die "feindliche Formation": fünf Kreuzer und fünf Zerstörer. Und wenig später: "Der Feind wird anscheinend von einem Flugzeugträger begleitet."

Es waren drei: Hornet, Enterprise und Yorktown. Deren Torpedobomber griffen die japanischen Flugzeugträger an - und wurden fast vollständig von den überlegenen japanischen Zero-Jägern abgeschossen. Aber: Die Zeros hatten kein Radar und bemerkten die Gefahr zu spät, die amerikanischen Sturzkampfflieger, die sich auf die Akagi, die Soryu und die Kaga stürzten. Innerhalb weniger Minuten erhielten sie schwere Treffer und waren verloren. Die Hiryu führte mit der Yorktown einen Zweikampf, bevor sie von Bombern der Enterprise versenkt wurde. Am 5. Juni kam von der Yamato der Befehl: "Umkehr! Die Operation Midway wird aufgegeben."

Japan hat sich von dieser Niederlage nie mehr erholen können. Von den sechs Flugzeugträgern hatte es vier verloren; und mit ihnen mehr als 500 der besten Piloten; es gab keinen gleichwertigen Ersatz. Für Japan hieß das: von nun an keine Offensiven mehr, nur noch Rückzüge. Erst 1944 konnten drei neue Träger eingesetzt werden, von denen zwei torpediert, zwei weitere mangels Piloten und Flugzeuge gar nicht mehr in Dienst gestellt wurden. Dem japanischen Volk wurde Midway verheimlicht. Zu denen, die das Ergebnis kannten, gehörte der spätere Außenminister Shigemitsu Mamoru. Für ihn war Midway "die Rache der Amerikaner für Pearl Harbor".