Auf der Donau sind die Römer unterwegs! Fast fühlt man sich in die Zeit eines Kaisers Constans versetzt bei solch einem Anblick - aber nur fast. Denn nicht alle Römer an Bord der "Danuvia Alacris" ("Hocherfreute Donau") tragen Tunkia. Manche haben die Hosen der Barbaren an, nämlich Jeans.

Doch es geht nicht (nur) um ein Reenactment, sondern um experimentelle Archäologie in Zusammenhang mit Schiffsbau: Im Rahmen der "Living Danube Connecting Cruise" als navigiert eine Mannschaft den historischen Nachbau eines Schiffs des Typs "Navis lusoria" ("tänzerisches Schiff") die Donau stromabwärts. Am Freitag (29. Juli) legt die "Danuvia Alacris" in Mautern an, zwei Tage später ist das Schiff bei einem Römerfest in Tulln zu sehen.

Spätantikes Patrouillenboot

Die "Naves lusoriae" waren römische Flusskriegsschiffe in spätantiker Zeit. Sie konnten wurden gerudert, konnten aber auch einen Mast mit einem Segel tragen. Das Segeln war allerdings wegen des flachen Rumpfs schwierig. Die "Naves lusoriae" wurden vor allem für Patrouillen auf schwierig zu befahrenden Flüssen eingesetzt.

Die "Danuvia Alacris" ist der Nachbau eines Donauschiffs aus dem vierten nachchristlichen Jahrhundert. Die Basis des Nachbaus bilden Teile eines solchen Schiffs, die in Mainz gefunden wurden und als wichtigste Quelle für diesen Schiffstyp gelten. Der Nachbau wurde mit historischen Werkzeugen bewältigt.

Gebaut die "Danuvia Alacris" im Rahmen eines EU-geförderten Forschungsprojekts zum historischen Donaulimes, das von der Donau-Universität Krems geleitet wird. In der Riege der heimischen Partner finden sich u.a. noch das Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie und die Universität Salzburg.

Durchfahrt durch den Donaukanal

Als Botschafter des "Living Danube Limes"-Projekts befahren wechselnde Mannschaften nun seit einigen Tagen die Donau, die in der Antike ein Grenzfluss zwischen dem Römischen Reich und den Ländern der "Barbaren" war.

Der Start erfolgte in Deutschland, bis Anfang August wird der österreichische Donauabschnitt befahren. Für Mittwoch (3. August) ist eine Durchfahrt durch den Wiener Donaukanal geplant, bevor man am 5. August dann in die Slowakei wechselt.

Das Projekt vereint 19 Unis, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen aus den zehn Donau-Anrainerländern als Partner und wird mit insgesamt 3,2 Millionen Euro gefördert. Ziel ist es, die Reste des einstigen Donaulimes zu erforschen, zu erhalten und nachhaltig touristisch zu nutzen. Beim Donaulimes handelte es sich um eine einst durchgehende Kette militärischer Festungsanlagen entlang des gesamten südlichen Ufers. Er fungierte auch als wichtige Handelsroute.

40 Kilometer am Tag

Zwei Jahre dauerte der Bau des möglichst originalgetreuen Schiffes. Es hat eine Länge von 18 Metern, bei einer Breite von 2,8 Metern. Die Konstruktion aus Eichen- und Fichtenholz wiegt rund sechs Tonnen. Bis zu 13 Stundenkilometer können mit dem Schiff erreicht werden.

Besetzt ist die "Danuvia Alacris" mit 18 bis 20 Ruderern und einem vier- bis fünfköpfigen Führungsteam. Täglich will man nun rund 40 Kilometer zurücklegen. Im November soll die Donaumündung in Rumänien erreicht werden. Bis dahin werden insgesamt um die 250 Ruderer aus 15 Nationen in dem spätantiken Nachbau Platz genommen haben. Die Austro-Etappen bestreiten Teilnehmer aus Österreich, Großbritannien, Belgien, Kroatien, Ungarn, Italien, Deutschland, Spanien und aus der Slowakei. Damit will man den nationenverbindenden Charakter des Projekts entlang der einstigen Trenn- und Verbindungslinie unterstreichen. (apa/nt/har/eb)