Olof Palme, Jahrgang 1927, großbürgerlicher aristokratischer Herkunft, in Schweden der herausragende Sozialdemokrat und zweimal Ministerpräsident, erhöhte das intellektuelle Niveau im politischen Alltag. Doch der Preis seines kompromisslosen Diskussionsstils war, dass er nie die landesväterliche Sicherheit entwickeln und ausstrahlen konnte, die die sozialdemokratischen Parteiführer bis dato gehabt hatten, konstatiert sein Biograf, der schwedische Historiker und Journalist Henrik Berggren.

Der Autor legte hier eine gelungene und tiefgehende Analyse über das Leben und Wirken Olof Palmes vor. Der Mord an ihm - er wurde vor 25 Jahren auf offener Straße erschossen - blieb bis heute unaufgeklärt. Zusammen mit Willy Brandt und Bruno Kreisky bildete Palme ein einflussreiches Triumvirat sozialdemokratischen Wirkens in der Weltpolitik. Er war ein Vollblutpolitiker, ein Mann der Widersprüche, der Bewunderung hervorrief und gleichzeitig polarisierte.

Lob von Henry Kissinger


Auch in seiner eigenen Partei war er ein Querdenker, der sich auch als entschiedener Antikommunist und Amerikafreund kein Blatt vor dem Mund nahm, die USA im Vietnamkrieg scharf zu kritisieren und als erster westlicher Staatschef in Kuba 1975 Fidel Castro umarmte. Der damalige US-Außenminister Henry Kissinger lernte den aufmüpfigen Politiker nicht zuletzt aufgrund seines internationalen Engagements schätzen. Bei Palmes Beerdigung erklärte Kissinger, Palme habe die wertvollsten westlichen Werte verkörpert: "Wo immer der Friede bedroht oder Gerechtigkeit verweigert wurde oder die Freiheit in Gefahr war - im Mittleren Osten, in Mittelamerika, in Südafrika - oder über Atomwaffen diskutiert wurde, brachte sich Palme in die Debatte ein."

Palme machte Schweden zum Vorreiter der Gleichstellungs- und Familienpolitik. Was herausstach, war sein Zukunftsglaube - sein Plädoyer für den Wandel: Modernität + Gleichheit = Freiheit.

Henrik Berggren: Olof Palme. Vor uns liegen wunderbare Tage. btb, 719 Seiten, 27,80 Euro