Blick in den Joanneumgarten: Aquarell von Johann Nepomuk Passini, 1865. - © Abb.: Steiermärkisches Landesarchiv
Blick in den Joanneumgarten: Aquarell von Johann Nepomuk Passini, 1865. - © Abb.: Steiermärkisches Landesarchiv

Das Joanneumist weit mehr als ein Museum, tatsächlich ist es eine Museums-Großfamilie: 4,5 Millionen Objekte, verschiedene Standorte in der Steiermark, unterschiedlichste Themen aus Wissenschaft und Kultur machen es zum größten Universalmuseum in der Mitte Europas.


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Das älteste Museum Österreichs ist es zudem: 1811 durch Erzherzog Johann gegründet, feiert das Joanneum heuer so, wie Geburtstage in großen, funktionierenden Familienverbänden begangen werden: individuell - Monat für Monat wird ein anderer Museumsstandort ins Licht von symbolischen zweihundert Geburtstagskerzen gerückt.

Aber auch Geburtstags-Überraschungen dürfen nicht fehlen: Im Mai wurde das Museum im Palais, im November wird das Joanneums-Viertel eröffnet. Die gebührende Betrachtung der Geschichte des Jubilars gehört natürlich ebenfalls zur Geburtstagsfeier dazu.

Gewächshaus im heutigen Botanischen Garten. - © Foto: Obermayer / Joanneum.
Gewächshaus im heutigen Botanischen Garten. - © Foto: Obermayer / Joanneum.

Für das Zweihundertjahr-Jubiläum hat man passenderweise die "Zeit" als Thema und Variation für zahlreiche Sonderausstellungen gewählt. Das Phänomen des Zeitenlaufs wird aus dem Blickwinkel der Kunst- und Kulturgeschichte, aber auch aus jenem der Volkskunde und durch das "Teleobjektiv" der Archäologie betrachtet.

"Zeit" als Generalthema


Wissensinformation und Bildung waren für Museumsgründer Erzherzog Johann (1782-1859) der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft. "Wissenstransfer" wird vom Joanneum bis heute ressortübergreifend und interdisziplinär verstanden. So beinhalten die einzelnen aktuellen Ausstellungen, wie "ZeitZeitZeit" (Vom schnellen Leben und der Kunst des Verweilens) im Volkskundemuseum, "Der grimmige Berg" in Schloss Trautenfels, sowie die höchst aktuelle Lebensmittel-Ausstellung "Vielfalt und Einheitsbrei" (Genuss für alle Sinne) im Landwirtschaftsmuseum Stainz Bezugspunkte zu Geschichte und Gegenwart. Alle Ausstellungen sind aber auch untereinander verlinkt.

Dass das Geburtstagskind namens "Universalmuseum Joanneum" seinem Namen gerecht wird, beweist auch ein bunt gefächerter Reigen von Dauerausstellungen, die heuer im Grazer Landeszeughaus und in Schloss Eggenberg gezeigt werden.

Traditionell gilt das Joanneum in Graz auch als Synonym für das Tätigkeitsfeld hochkarätiger Wissenschafter. So hat etwa Friedrich Mohs am Joanneum die nach ihm benannte Härteskala für Mineralien erdacht. Franz Xaver Unger, Pionier der Paläobotanik, lehrte dort - und sein Unterricht war stets praxisbezogen: Davon zeugt bis heute ein besonderer "Garten des Wissens". Genauer gesagt, ist es ein Garten aller Arten, in dem europäische und asiatische, alpine und tropische Pflanzen nebeneinander gedeihen. In den Glashäusern der Grazer Schubertstraße haben ursprünglich im Regenwald ansässige, aber auch aus der Wüste stammende Gewächse ein Zuhause gefunden.

Alfred Gutschelhofer, Rektor der Karl-Franzens-Universität Graz, sieht im Botanischen Garten seiner Universität auch ein Symbol: Für ihn "steht der Botanische Garten in seiner Artenvielfalt auch für die Universität in ihrer Gesamtheit, die Studierende aus rund 100 Nationen unter einem Dach vereint und mit über 100 Studien aufwarten kann. Auch das abwechslungsreiche und produktive Miteinander auf engstem Raum ist nicht nur eine Eigenschaft, die den Garten, sondern auch die Universität auszeichnet".

Schon als er vor 200 Jahren im Auftrag von Erzherzog Johann angelegt wurde, war der Botanische Garten in Graz mehr als nur eine Ansammlung von verschiedenartigen Bäumen, Sträuchern und Blumen. Der Regent wählte damals die an das historische Joanneum, den barocken Lesliehof (heute Museumsgebäude Raubergasse), angrenzenden Freiflächen für die Anlage eines "hortus botanicus" - und der war nicht primär als Freizeitpark gedacht, sondern als Ort der wissenschaftlichen Forschung und Lehre. Und nützlich für die Bevölkerung sollte dieser "Wundergarten " auch sein, in dem in Graz plötzlich eine Vegetation gedieh, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch kaum jemand mit eigenen Augen gesehen hatte.

Neben dem wissenschaftlichen stand der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund: Die Steiermark, die damals auch die Untersteiermark (heute der nordöstliche Teil Sloweniens) umfasste, war ein Agrarland, das durch die Napoleonischen Kriege stark gelitten hatte. Nach dem Frieden von Schönbrunn musste die Festung am Schlossberg abgerissen werden. Auch die finanzielle Demontage blieb nicht aus: 1811 kam es aufgrund der hohen Kriegs- und der folgenden Kontributionszahlungen zum österreichischen Staatsbankrott. Banknoten konnten mit einer Einbuße von 80 Prozent eingetauscht werden. Es waren - in jeder Hinsicht - Krisenzeiten.

Erzherzog Johann hat den politischen Aspekt von Bildung erkannt und diesen für seine Museumsgründung berücksichtigt. So schrieb er an seinen Bruder, Kaiser Franz, er wolle "die Ausbildung der Jugend Steiermarks" befördern, denn "zahlreich ist die Jugend, die sich den Studien widmet. Daß sie diese so vollbringe, damit einst der gebildete Jüngling dem Staate in seiner Sphäre nütze, dafür glaube ich kann nicht genug Sorge getragen werden". Die Untertanen sollten Anschluss an technische Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse erhalten, "zur Geistesbildung der steyermärkischen Jugend, zur Erweiterung der Kenntnisse, Belebung des Fleißes . . .".