Teil des freigelegten Mosaiks in Ephesos.
Teil des freigelegten Mosaiks in Ephesos.

Wien. "Bis in die Fundamente wurde der Domitian-Tempel von Ephesos im frühen 5. Jahrhundert zerstört, das ist jetzt genau belegbar und wissenschaftlich interessant", erzählt Grabungsleiterin Sabine Ladstätter im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" über die neuesten Forschungsresultate der in Ephesos tätigen österreichischen Archäologen.

Das Christentum, das damals im Römischen Reich zur Staatsreligion aufgestiegen war, sei mit heidnischen Bauten differenziert umgegangen, so Ladstätter, doch besonders rigoros bekämpfte man alles, was an den Kaiserkult erinnerte (Christen wurden ja zunächst gezwungen, den Kaiser als Gott zu verehren oder zu sterben). Kaiser Domitian (81 bis 96) galt als besonders eifriger Christenverfolger. Ob der Tempel noch zu seinen Lebzeiten fertiggestellt wurde, ist nicht sicher, er diente später jedenfalls der kultischen Verehrung aller Flavierkaiser (auch Vespasian und Titus). Um das Jahr 97 soll Timotheus, ein Schüler des Apostels Paulus und damals Bischof von Ephesos, das Martyrium erlitten haben.

Durch geophysikalische Messungen habe man festgestellt, sagt Ladstätter, dass auf dem riesigen Tempelareal mitten in der Stadt im 5. Jahrhundert ein großes Gebäude mit christlichen Symbolen errichtet worden sei, "aber keine Kirche, sondern ein administratives Zentrum". Offenbar fielen damals große öffentliche Plätze an die Kirche. Was auf dem Areal bisher freigelegt wurde, ist imposant, etwa eine Brunnenanlage oder ein gigantisches Mosaik, auf dem sich zwei Fische und ein Meeresfabelwesen tummeln.

Tipp: Vortrag von Sabine Ladstätter: Die neuesten Ergebnisse der Grabungskampagne Ephesos 2011, Ephesosmuseum Wien, 11. September 2011, 15.30 Uhr.