Albin Skoda (29. 9. 1909 - 22. 9. 1961).
Albin Skoda (29. 9. 1909 - 22. 9. 1961).

Albin Skoda war im buchstäblichen Wortsinn ein Burgtheaterkind. Er kam zwar nicht im Haus am Ring zur Welt, aber bereits im zarten Alter von neun Jahren, am 4. Oktober 1918, wurde Albin für die Darstellung von Kinderrollen mit einem Jahressalär von sechshundert Kronen in den Verband des k.k. Hofburgtheaters aufgenommen. Er gab sein Theaterdebüt als Philipp in Gerhard Hauptmanns "Der Biberpelz" und stellte dann sein Talent auch in anderen Rollen unter Beweis.

Initiator des doch ein wenig ungewöhnlichen Engagements war der Vater, der sich seinen großen Berufswunsch, Schauspieler zu werden, nicht erfüllen konnte. So manche Väter wollen sich dann in ihren Söhnen verwirklichen. Sie implantieren ihre Träume, Hoffnungen und Wünsche in die Köpfe und Seelen ihrer männlichen Nachkommen und fördern, je nach Geschick behutsam oder mit uneinsichtiger Verständnislosigkeit, ihr Wachstum. Das kann gut gehen oder auch schwere psychische Dauerschäden zur Folge haben.

Geerbte Theaterliebe


Bei den Skodas fiel das väterliche geistige Implantat auf einen äußerst fruchtbaren Boden. Die Vorliebe des Vaters für das Theater wuchs sich in seinem Sohn zur alles beherrschenden und verzehrenden Theaterleidenschaft aus. Aus dem Burgtheaterkind wurde in Mannesjahren ein strahlender Stern am deutschsprachigen Theaterhimmel.

Albin Skoda war nicht nur ein echtes Burgtheaterkind, er war auch ein echter Wiener. Am 29. September 1909 im Allgemeinen Krankenhaus zur Welt gekommen, wuchs der Sohn eines Cafetiers in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf. Nach dem Besuch der Volksschule in seinem Heimatbezirk auf der Wieden und einem Intermezzo im Internat bei den Schulbrüdern in Strebersdorf schickten ihn die Eltern, seinen musischen Neigungen und Talenten ganz und gar nicht angemessen, in eine Realschule. Aber selbst dort konnte er ab und zu bei festlichen Veranstaltungen seine ungewöhnliche schauspielerische Begabung unter Beweis stellen.

Über seine schulischen Leistungen verliert Oskar Maurus Fontana, sein Biograph, kein Sterbenswörtchen. Den naturwissenschaftlichen Fächern, so darf man annehmen, wird sein vordringliches Interesse wohl nicht gegolten haben. Die ganze Liebe des Realschülers gehörte dem Schauspiel und dem Theater.

Mit seinem Eintritt in die Schauspielklasse von Rudolf Beer an der Akademie für Musik und darstellende Kunst erfüllte sich dann für Albin Skoda ein lang gehegter Kindheits- und Jugendtraum. Beer war ein bedeutender Theaterfachmann, ein hervorragender Lehrer, Regisseur und Talente-Entdecker. Das bestätigen viele seiner später prominent gewordenen Schüler. Hans Jaray, der noble Grandseigneur und Publikumsliebling, urteilte so über ihn:

"Beer war durch und durch Theatermensch, ein bedeutender Theatermensch. Er hat eine ganze Schauspielergeneration auf die Beine gestellt und glänzende Schauspieler ans Haus geholt (Beer war von 1924 bis 1932 Direktor des Deutschen Volkstheaters). Für uns Junge hat er mehr getan als jeder andere. Er war ein Theaterpraktiker mit viel Humor und Sinn für ein unglaublich lebendiges Theater."

Und Karl Paryla schreibt in seinen Lebenserinnerungen: "Als er in der Staatlichen Schauspielschule erschien, war er für uns Junge, die wir dort von braven Lehrern akademische Theaterbildung erhielten, ein Gott, ein Deus ex machina (. . .) Er, der selbst ewig ein Jüngling blieb, war der zauberhafte Entdecker und Förderer von Talenten. Seine Schultätigkeit war eine unnachahmbare. Sie kam ursprunghaft aus seinem Wesen."

Auch dem jungen Skoda wies Beer den schauspielerischen Weg. Er wusste es ihm zu danken. Mit diesem handwerklichen Rüstzeug zusätzlich zu seiner immensen Begabung ausgestattet, verließ Albin Skoda die Schauspielklasse von Rudolf Beer und trat im Stadttheater St. Pölten sein erstes Engagement an.

Die nunmehrige niederösterreichische Landeshauptstadt war nur eine vorübergehende Theater-, aber seine wichtigste Lebensstation. Er lernte dort Margarethe Westermayer kennen, eine Kollegin, mit der er kurze Zeit später in Aussig den Bund der Ehe schloss. Sie schenkte ihm eine Tochter und begleitete ihn auf seiner abwechslungsreichen Reise durch ein auch von den politischen Zeitumständen geprägtes Dasein.

Zu viel Pathos


Nach St. Pölten und Aussig ging es nach Hamburg, wo der junge Mime in einigen Rollen, die heute kaum noch in einem Spielplan aufscheinen, durch "stimmliche Intensität, geistige Beherrschung des Wortes und ein Talent für die Gestaltung des Grotesken" die Kritiker beeindruckte. Gelegentlich, so meinten allerdings einige unter ihnen, läge in seiner darstellerischen Kraft jedoch etwas zu viel Pathos und Überspanntheit.

Skoda, der schon als junger Schauspieler höchste Anforderungen an sich stellte, nahm diese Kritik sehr ernst. "Immer mein alter Fehler - zu laut", notierte er am Rande der diesbezüglichen Kritik in seiner Sammlung von Theaterbesprechungen. Albin Skoda, und das zeichnete ihn aus, war selbstkritisch, er strebte nach Perfektion, nach vollkommener Harmonie von Wort und Gebärde. In den Jahrzehnten seiner künstlerischen Betätigung stellte er in ungezählten Rollen auf der Bühne, im Film und im Rundfunk, aber vor allem auch in seinen unvergesslichen Vortragsabenden seine virtuose Sprachbeherrschung überzeugend und glanzvoll unter Beweis.