Wien. Ephesos in der westlichen Türkei sorgt immer wieder für neue Überraschungen bei den dort tätigen österreichischen Archäologen. Die mittels Geomagnetik und -radar gemachte Entdeckung eines riesigen Ensembles von Monumentalbauten "ändert unser Bild der Stadt gewaltig", sagt Sabine Ladstätter, Leiterin der dortigen Grabungen und Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts. Bisher sei man davon ausgegangen, dass auf jener Terrasse, auf der jetzt die Repräsentationsbauten gefunden wurden, das öffentliche Zentrum zu Ende gewesen sei und bereits die Wohnviertel begonnen hätten.

Über den Zweck der großen Gebäude, darunter ein 7,5 Meter breites und mindestens 41 Meter langes Objekt, lasse sich, so Sabine Ladstätter, vor der Freilegung nur spekulieren, es könnte sich aber um sogenannte Sebasteions zu Ehren der Kaiser handeln. Der Kaiserkult in Ephesos scheint einzigartig gewesen zu sein, man hat in der Stadt schon vorher zwei Kaiserkultanlagen gefunden.

Auch türkische Sponsoren


"Der Fund passt sehr gut in unser Grabungskonzept", betont Ladstätter, denn die Arbeiten in Ephesos stehen unter dem Titel "Kult und Herrschaft". Aufgrund der nun von Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik mit Geomagnetik und -radar erstellten Messungen und Bilder könne man in der nächsten Grabungssaison gezielt an die Freilegung gehen. "Man muss sich zuerst anschauen: Wie gut ist etwas erhalten? Wo zahlt sich eine Grabung aus?", sagt Ladstätter im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Grabungen auf dem Areal könnten bis zu zehn Jahre in Anspruch nehmen.

Das Ephesos-Budget beträgt derzeit 700.000 Euro und kommt zur Hälfte vom Wissenschaftsministerium. Ein Drittel tragen private Sponsoren bei, weitere Mittel kommen aus der Forschungsförderung. Erfreut registriert Ladstätter, dass auch türkische Sponsoren zunehmend Restaurierungsprojekte unterstützen.

Man soll sich aber auch in Österreich - die in Ephesos gefundenen Objekte dürfen nicht ausgeführt werden - eine Vorstellung von Ephesos machen können. Aus diesem Grund will das im Kunsthistorischen Museum Wien untergebrachte Ephesos-Museum in drei zusätzlichen Räumen Besuchern einen virtuellen Ephesos-Besuch ermöglichen. Unter anderem soll der Grabbau von Arsinoe IV., einer ptolemäischen Prinzessin, rekonstruiert werden. Mit der Öffnung der drei Räume ist frühestens ab 2013 rechnen.