St. Pölten. Im Zuge der 2010 gestarteten archäologischen Grabungen auf dem St. Pöltener Domplatz sind nun auch Reste einer gotischen - später barock überbauten - Kapelle des Frauenklosters entdeckt worden. "Somit standen hier am heutigen Domplatz ursprünglich vier Kirchenbauten unmittelbar nebeneinander", hieß es in einer Aussendung der Stadt zu den bisherigen Erkenntnissen.

 
32.500 Fundstücke entdeckt
Unterhalb der sogenannten Pfarrkirche lag ein römischer Großbau aus dem vierten Jahrhundert nach Christus. Die älteren Gebäude des zweiten und dritten Jahrhunderts n. Chr., die bei einem Brand zerstört worden waren, wurden beim Bau der Therme einplaniert. Das Gebäude stand im Mittelalter noch und erfuhr eine Neunutzung als Friedhofskapelle. Gefundene Gefäße bestätigten das überlieferte Weihedatum 1133 der romanischen Kirche.

  Neben den Latrinenfunden aus dem 15. Jahrhundert wurde innerhalb des freigelegten Klostertraktes noch ein weiterer zusammenhängender Komplex geborgen, der nun restauriert ist. Er datiert in das 16. Jahrhundert und enthält neben zahlreichen Gefäßen auch "wunderschöne" Ofenkacheln. An Beigaben der im Kircheninneren Bestatteten fanden sich Medaillons, Wallfahrtsanhänger, Rosenkränze und eine Taschensonnenuhr. Seit 2010 wurden 32.500 Fundstücke, hauptsächlich Keramik und Tierknochen, entdeckt und die Überreste von 2.950 Menschen freigelegt.