Tokio/Wien. Die japanische Stadt Hiroshima hat am Montag des ersten Atombombenabwurfs vor 67 Jahren gedacht. Bei der Gedenkfeier protestierten zahlreiche Menschen gegen die Atomkraft. Sie fürchten weitere Katastrophen wie jene in Fukushima. Der Bürgermeister von Hiroshima, Kazumi Matsui, rief zur Verschrottung aller Atomwaffen auf der Welt auf.

  Er forderte die Führer aller Atommächte auf, Hiroshima zu besuchen. Insgesamt 50.000 Menschen erinnerten am Montag an die Katastrophe im Jahr 1945, darunter zahlreiche Teilnehmer aus der Region um Fukushima. Die japanische Regierung hatte nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Fukushima die Abschaltung aller 50 Reaktoren im Land angeordnet. Anfang Juli gingen die ersten Reaktoren trotz Protesten in der Bevölkerung aber wieder ans Netz. Das AKW Fukushima war bei dem Unglück schwer beschädigt worden, es kam zur Kernschmelze, große Gebiete wurden radioaktiv verseucht. Es war der schwerste Atomunfall seit der Tschernobyl-Katastrophe 1986.

 
Verstrahlte Opfer bis heute
Am 6. August 1945 um 8.15 Uhr (Ortszeit) hatten die Amerikaner die Atombombe über dem westjapanischen Hiroshima abgeworfen. Am 9. August wurde Nagasaki Ziel eines Atomangriffs. Auch heute sterben immer noch verstrahlte Opfer. Die Zahl der Todesopfer belaufe sich jetzt auf mehr als 280.000. Seit der letzten Gedenkveranstaltung vor einem Jahr seien 5.729 Namen hinzugekommen, berichtete der Fernsehsender NHK.

  Unter den Teilnehmern der Gedenkfeier war auch ein Enkel von US-Präsident Harry Truman. Truman hatte den Einsatz der Atombomben angeordnet. Er könne über die Entscheidung seines Großvaters nicht urteilen, sagte Clifton Daniel. "Ich lebe zwei Generationen später. Es ist jetzt meine Verantwortung alles zu tun, damit wir niemals wieder Atomwaffen einsetzen."

 
Hiroshima-Aktion in Wien
Die Wiener Friedensbewegung hat für den Montag wird gemeinsam mit der Hiroshima Gruppe Wien ihre traditionelle Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki angekündigt. Dabei werden ab 18.00 Uhr Friedenslieder gesungen und Stellungnahmen für eine Welt ohne Atomwaffen und ohne Krieg veröffentlicht. Von Bundespräsident Heinz Fischer wurde eine Grußadresse angekündigt.

  "Die Wiener Hiroshima-Gruppe wurde vor drei Jahren von einer Japanerin in Wien gegründet. Seit damals gibt es jedes Jahr eine Hiroshima-Aktion in  Wien", betont Andreas Pecha, ehrenamtlicher Sekretär des Wiener Friedensbüro. "Wir hoffen, dass es nicht noch einmal dreißig Jahre dauert, bis die Atomwaffen abgeschafft sind."