Havanna/Washington/Moskau. Anfangs brachte die Kuba-Krise die Welt an den Rand eines Atomkrieges, dann veränderte sie die Einstellung von Politik und Öffentlichkeit zu Atomwaffen grundlegend. Schlagartig war den Supermächten 1962 die von Atomwaffen ausgehende Gefahr bewusst geworden. Es folgten Atomwaffensperr- und Abrüstungsverträge sowie das "rote Telefon", eine Direktverbindung zwischen Washington und Moskau. In Kuba hingegen hielt die Präsenz von USA und Sowjetunion/Russland auch nach Ende des Kalten Kriege an - Russland schloss seine letzte Militäreinrichtung erst 2001, der US-Marinestützpunkt Guantanamo existiert gemäß eines unbefristeten Vertrages bis heute.

  Die erste Vereinbarung zur Eindämmung von Atomwaffen war 1968 der bis heute gültige Atomwaffensperrvertrag (Non-Proliferation Treaty/NPT), der vorschreibt, dass die damals existierenden fünf Atommächte (Sowjetunion, USA, China, Frankreich und Großbritannien) keine Nuklearwaffen an Dritte weitergeben dürfen. Staaten, die noch nicht im Besitz von Atomwaffen sind, dürfen diese auch nicht entwickeln/erwerben. Mittlerweile sind rund 190 Staaten dem Vertrag beigetreten, darunter auch Österreich. Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea, die den Vertrag nicht unterzeichnet haben, sollen heute über Atomwaffen verfügen. Der Iran, dem immer wieder vorgeworfen wird, Nuklearwaffen zu entwickeln - der dies jedoch zurückweist - ist Mitglied des Vertrages.

Der ABM-Vertrag  
1972 trat der ABM-Vertrag (Anti Ballistic Missiles, Raketenabwehrsysteme) zwischen den USA und der Sowjetunion (UdSSR) in Kraft, der die Aufstellung entsprechender Systeme lediglich im Umkreis der Hauptstädte Moskau und Washington erlaubt. Die USA kündigten die Vereinbarung 2001 einseitig. Der ABM-Vertrag war Ergebnis der SALT I-Verhandlungen. SALT I war 1972 der erste Vertrag, der die Zahl der Abschussvorrichtungen für Interkontinentalraketen begrenzte. Ihm folgten zahlreiche weitere Vereinbarungen.

  Zuletzt trat 2002 aufgrund des Scheiterns vorangehender Verträge das SORT-Abkommen zwischen Russland und der USA in Kraft. Es sieht vor, dass bis zum 31. Dezember 2012 die Atomarsenale der einstigen Supermächte auf 1.700 - 2.200 Sprengköpfe reduziert werden. Kritiker glauben jedoch nicht an dessen Erfolg.

  Da die politischen Führer von USA und Sowjetunion 1962 in den gefährlichen Stunden vor allem auch mit Kommunikationsproblemen zu kämpfen hatten, wurde 1963 in Genf die Einrichtung einer direkten Verbindung zwischen dem Weißen Haus in Washington und dem Kreml in Moskau beschlossen. Zwar wurde diese oft als "rotes Telefon" bezeichnet, tatsächlich handelte es sich jedoch anfangs um eine Fernschreiberverbindung, die in den 1980er Jahren durch ein Fax und 2010 schließlich durch E-Mail und SMS abgelöst wurde.

  Nach Angaben ehemaliger US-Präsidenten, bewährte sich die Direktverbindung - die absichtlich schriftlich gehalten wurde, um spontane Gefühlsausbrüche zu vermeiden - in Krisensituationen immer wieder. Wie Henry Kissinger, Berater von Expräsident Henry Nixon, in seinen Memoiren schrieb, wurde das Medium dabei oft selbst zur Botschaft. Demnach habe das "rote Telefon" Nachrichten mehr Nachdruck verliehen. Wie oft die Direktverbindung tatsächlich benutzt wurde und wird ist bis heute unbekannt.

  Bekannt ist hingegen, dass beide ehemaligen Supermächte, bis 2001 Militärstützpunkte auf Kuba unterhielten. Die Sowjetunion hatte noch bis in die 1980er Jahre rund 20.000 Soldaten auf der Karibikinsel, auch nach Ende der UdSSR waren es immerhin noch 1.500. Als Russlands Präsident Wladimir Putin 2001 die Schließung der Abhörstation in Lourdes, nahe Havanna bekannt gab, reagierte die kubanische Führung entrüstet. Zuvor hatte der US-Kongress eine Schuldenerleichterung für Russland von der Schließung der Militärbasis abhängig gemacht.

  Das infolge der Anschläge des 11. September 2001 bekannt gewordene US-Militärgefängnis in Guantanamo, existiert - entgegen anderslautender Wahlkampfversprechen von US-Präsident Barack Obama - bis heute. Seine Existenz geht auf einen 1901 von Kuba unter US-Hegemonie verabschiedeten Verfassungszusatz (Platt Amendement) zurück, der den USA erlaubte auf der Karibikinsel eine Flottenbasis zu errichten.