Relieffigur aus dem vorchristlichen Ephesos. - © Niki Gail/ÖAI
Relieffigur aus dem vorchristlichen Ephesos. - © Niki Gail/ÖAI

Ephesos/Wien. (ski) Die Ausgrabungen auf dem Çukuriçi Höyük, der ältesten Ansiedlung von Ephesos, erbrachten 2012 weitere sensationelle Einblicke in die Mobilität und rituelle Welt der prähistorischen Bewohner. Der Siedlungshügel wird seit 2007 von einem interdisziplinären und internationalen Team unter der Leitung von Barbara Horejs (Österreichisches Archäologisches Institut) erforscht und von der Europäischen Union (European Research Council) finanziert.

Aus der aktuell ältesten ausgegrabenen Siedlung aus dem 7. Jahrtausend v. Chr. stammt ein Objekt aus Ton mit einer rund 3,5 Zentimeter großen anthropomorphen Figur in Form eines erhabenen Reliefs, die sowohl Mensch als auch Gottheit symbolisieren könnte. In den Wohnhäusern dieser ältesten bäuerlichen Gemeinschaften zeigen die Funde zudem ein hohes technologisches Know-how, wie viele Schmuckperlen unterschiedlichster Materialien und Formen veranschaulichen. Menschliche Darstellungen, technologisch-komplexes Handwerk und die Funde aus dem alltäglichen Lebensbereich zeigen Verbindungen bis Ostanatolien, Mesopotamien und den Vorderen Orient. Die Kenntnis von weit entfernt liegenden Rohstoffen und deren gezielte Ausbeutung belegen Steingeräte aus Obsidian, einem speziellen vulkanischen Glas, das überwiegend von der 300 Kilometer entfernten Kykladeninsel Melos stammt. Das 2012 gefundene Obsidiandepot gibt einen weiteren Hinweis auf die hohe Mobilität der Bewohner vor über 8200 Jahren. Der gleichzeitige Nachweis von Jagd auf Hochseefischerei zeigt, dass die Ägäis nicht nur küstennahe, sondern bis in weit entfernte Regionen befahren wurde. Zwei weitere kleine Statuetten aus hochwertigem weißem Marmor aus dem 4. und 3. Jahrtausend v. Chr. stammen aus dem frühen Metallurgiezentrum des Siedlungshügels. Beide Figurinen lassen sich als rituelle Idole deuten und sind die bisher ältesten Belege für Kleinplastik und wohl auch kultische Handlungen in Ephesos.