Gerda Lerner verstarb im Alter von 92 Jahren. - © APAweb/Reuters
Gerda Lerner verstarb im Alter von 92 Jahren. - © APAweb/Reuters

Madison. Die Exil-Österreicherin Gerda Lerner, als Autorin und Historikerin eine Pionierin bei der Behandlung feministischer Themen, ist im Alter von 92 Jahren in Madison (Wisconsin) verstorben, berichten US-Medien. Sie hatte in den USA das erste Studium der Frauengeschichte etabliert und die autonome Frauenorganisation "NOW" mitbegründet. Vom österreichischen Frauenministerium war sie erst kürzlich für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden.

Gerda Lerner wurde am 30. April 1920 in Wien als Gerda Kronstein geboren und wuchs in einer assimilierten jüdischen Familie "mit lauter starken Frauen" auf. Im April 1938 wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter kurze Zeit inhaftiert, bevor sie im September über Liechtenstein und Großbritannien 1939 in die USA emigrierte. Sie schlug sich anfangs als Dienstmädchen, Kellnerin, Verkäuferin, Abwaschfrau und Kindermädchen durch. "Da habe ich doch gesehen, wie es für Frauen ist", so Lerner. 1941 heiratete sie den Theaterdirektor und Filmproduzenten Carl Lerner.

1959 begann sie an der New School for Social Research Geschichte zu studieren, 1963 an der Columbia Universität, an der sie 1966 promovierte. Ihre Dissertation widmete Lerner den Schwestern Grimke, die in South Carolina gegen die Sklaverei gekämpft hatten. Auf die Universität sei sie eigentlich gegangen, weil sie einen historischen Roman schreiben wollte. Den Roman habe sie nach sechs Kapitel weggeschmissen, aus dem Thema sei ihre Dissertation geworden. In den sechziger Jahren war Lerner auch Mitbegründerin von "NOW", einer bis heute existierenden amerikanischen autonomen Frauenorganisation.

Frauenhistorische Themen
Ihre wissenschaftliche Tätigkeit war insgesamt dominiert von US-historischen Themen sowie Frauengeschichte. So veröffentlichte sie 1973 eine historische Dokumentation über "Schwarze Frauen im weißen Amerika" oder 1986 eine Abhandlung über "Die Entstehung des Patriarchats". Aufbauend darauf arbeitete sie über den "zwölfhundertjährigen Kampf von Frauen, ihr Denken von patriarchalem Gedankengut zu befreien, die Geschichte der Frauen zu erschaffen und ein feministisches Bewusstsein zu erlangen". Die entsprechende Publikation trug den Titel "Die Entstehung des feministischen Bewusstseins". Von 1980 bis 1981 war Lerner erste Präsidentin der Organisation amerikanischer Historiker. Sie lehrte Geschichte an der Universität von Wisconsin.

Neben ihrem wissenschaftlichen Werk schrieb Lerner auch eine Reihe von Romanen, Kurzgeschichten und Drehbüchern. In ihrem Roman "Es gibt keinen Abschied", der 1953 im deutschsprachigen Raum unter dem Pseudonym Margarete Rainer erschien, beschreibt sie Tage in Wien zwischen 1934 und 1938. "Ein eigener Tod" schildert den 18-monatigen Leidensweg ihres Mannes Carl, der an einem Gehirntumor litt und 1973 verstarb. 2009 erschien die deutsche Übersetzung ihre Autobiografie "Feuerkraut".