Wien. Die unabhängige Historikerkommission, welche die Nachkriegsgeschichte der damaligen Medizinischen Fakultät der Universität Wien nach Methoden bei Forschung und Patienten-Behandlung beleuchten soll, liegt ein Jahr nach ihrer Gründung im Frühjahr 2012 voll im Plan. Das unterstrich Kommissionsleiter Gernot Heiss am Mittwoch in einer Aussendung. Ein Endbericht der Arbeit der Historikerkommission sei für 2014 zu erwarten, so der Historiker.

Nach Bewilligung der nötigen Förderungen für die Finanzierung der Kommissionsarbeit ist jetzt die Entwicklung der Patienten-Datenbank abgeschlossen. "Wir prüfen rund 110.000 Akten", so Heiss. Das Hauptaugenmerk liegt bis Jahresende 2013 auf den sechs "Kern"-Jahren 1955 bis 1960 und auf der sogenannten "Malaria-Therapie" - Patienten mit schweren psychiatrischen Erkrankungen waren mit Erregern der Tropenkrankheit infiziert worden, um eine Besserung herbeizuführen. Die Kommission will aufklären, ob es damals Forschungstätigkeiten gab, die den ethischen Grundsätzen oder dem Forschungsstand nicht entsprochen haben.

Mit der Aufarbeitung der Geschehnisse zwischen 1945 und 1978, dem Gründungsjahr der Ethik-Kommission der MedUni Wien, die seither alle klinischen Forschungsprojekte auf ethische Aspekte prüft, stellt sich die Medizinische Universität Wien ihrer Geschichte und Verantwortung. "Wir wollen alles über eventuelle ‚dunkle Flecken‘ wissen", hatte Rektor Wolfgang Schütz schon bei der Einsetzung der Kommission vor einem Jahr betont.