Das Voynich-Manuskript gilt als Krone aller bisher unentzifferten Manuskripte. Über den Inhalt gibt es nur Vermutungen. - © wikipedia
Das Voynich-Manuskript gilt als Krone aller bisher unentzifferten Manuskripte. Über den Inhalt gibt es nur Vermutungen. - © wikipedia

Geduld braucht der Kryptologe, Geduld und ein wenig Glück. Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Kassel hatten beides, und so gelang es ihnen, die sogenannte "Zauberhandschrift" aus dem 18. Jahrhundert zu entschlüsseln. Das lässt bei Kryptologen Hoffnung aufkeimen, dass dereinst auch das Voynich-Manuskript seine Geheimnisse preisgeben könnte. Wenn es denn welche hat. Doch der Reihe nach.

Kryptologie ist die Wissenschaft von der Informationsverschlüsselung. Was sich zu einer zentralen Wissenschaft im heutigen elektronischen Datenverkehr mauserte, war Jahrzehnte, um nicht zu sagen: Jahrhunderte lang eine abseitige Beschäftigung mit scheinbar unleserlichen Texten. Denn verschlüsselt wurde nicht erst seit Anno Internet, sondern seit der Antike. Schon damals sollte nicht jeder Text für jeden lesbar sein, der lesen konnte.

Die etwa 90 Seiten der "Zauberhandschrift" sind in chiffrierten Schriftzeichen abgefasst. Die Planetensymbole und Zeichnungen von Geistern dazwischen ließen auf einen magischen Inhalt schließen. Dennoch scheiterte die Entzifferung.

Bis jetzt die Arabistin Sabina Lüdemann, Leiterin der Hessischen Abteilung der Landesbibliothek und Murhardschen Bibliothek, die Erleuchtung hatte: Sie entdeckte, dass die Zeichen der "Zauberhandschrift" schlicht eins zu eins die Zeichen unserer Schrift ersetzen und teilweise von ihnen sogar abgeleitet sind. So fehlt beispielsweise dem A der Querbalken, und das S mutiert zu einem Zeichen, das dem Zahlensymbol 6 ähnelt. Damit (und mit Geduld, wie gesagt, denn etwas Versuch-und-Irrtum ist zwangsläufig nötig) lässt sich der gesamte Text entschlüsseln. Dann wird man ihn auch endlich einordnen können, also wissen, ob er ins Umfeld der Freimaurer oder der Rosenkreuzer gehört. "Es ist auch viel Hokuspokus dabei. Doch vorwiegend finden wir religiös-christliches Vokabular. Das legt nahe, dass der Autor aus dem christlichen Kulturkreis kommt", sagt Lüdemann. "Das Manuskript passt aber gut in den Kontext des gesteigerten Interesses an Mysterien, Alchemie, Magie und Schatzgräberei Ende des 18. Jahrhunderts."

Kryptologen schnalzen da vor Wonne mit der Zunge - aber, um ganz ehrlich zu sein, nicht wegen der "Zauberhandschrift". Ihre Entschlüsselung macht nämlich Hoffnung. Hoffnung auf das Knacken jener Handschrift, die, um das US-Kultwort für etwas supergroßes Supertolles zu verwenden, der Lollapalooza aller verschlüsselten Handschriften ist, nämlich das Voynich-Manuskript.