Schacht- und Massengräber

Die ältesten Gräber dieser Untersuchungen stammen vom Bäckenhäusel Gottesacker im Alsergrund. Nahe der Sensengasse fanden die Stadtarchäologen im Zuge der Bauarbeiten am Universitätssportinstitut 2005 und 2006 auch noch zwei weitere Friedhöfe: den Spanischen Friedhof sowie den Neuen Schottenfriedhof. Auf diesen drei Ruhestätten seien alle Arten von Gräbern vertreten: Einerseits einfache Schachtgräber, in denen die Toten mit Blick nach Süden nebeneinandergereiht wurden, andererseits Massengräber, die vor allem in Zeiten von Seuchen und Epidemien als rasche Totenlager dienten.

"Hier wurden die Toten übereinandergelegt, mit Kalk bestreut und möglichst schnell weitere Leichen hineingeschlichtet - auch um Ansteckung zu verhindern", erklärte Fischer Ausserer. Auch eigens abgetrennte Bereiche für Kinder und Kleinkinder sowie das Fundament und der Kellerbereich einer Friedhofskirche kamen bei den Grabungen zum Vorschein.

Die Ausstellung in der Fachbereichsbibliothek Bildungswissenschaft, Sprachwissenschaft und Vergleichende Literaturwissenschaft in der Sensengasse konzentriert sich auf jene Grabungen, die in der Umgebung stattfanden. Danach soll die Schau weiter wandern. "Es ist wunderschön wenn man den Menschen zeigen kann, was sich früher hier befunden hat", erklärt die Stadtarchäologie-Leiterin diesen Zugang. Beleuchtet wird auch der Umgang mit diesen Funden in der Vergangenheit: "Stieß man auf Knochen, wurde oft zuplaniert und drübergebaut", meinte Fischer Ausserer. Ein gutes Beispiel dafür sei etwa die Errichtung der neuen Kalvarienbergkirche.

Anthropologische Untersuchungen

Heute werden die gefundenen Knochen sorgfältig ergraben sowie ihre Fundstellen erfasst und fotografiert. Danach gelangen sie zur anthropologischen Untersuchung, um Rückschlüsse auf Geschlecht, Alter und andere Daten zu ziehen. Sind alle Analysen abgeschlossen, werden die Knochen eingeäschert und im Bereich der namenlosen Toten am Zentralfriedhof wieder bestattet.