1660 gab es am Hof von Hannover die ersten Kerzen für einen Weihnachtsbaum und spätestens seit dem 19. Jahrhundert dominierte er zunächst die protestantischen und später auch die katholischen Feststuben Mitteleuropas. Von hier aus eroberte
er schließlich den Rest der christlichen Welt. Nur auf der Südhalbkugel, wo Weihnachten in den Sommer fällt, steht den Australiern und Neuseeländern der
Sinn eher nach Barbecue am Strand als nach Tannenduft und Kerzenschein.

Fanny Vögele Itzig, die den Christbaum nach Österreich brachte, stammte aus einer reichen jüdischen Familie in Berlin. Durch ihre Heirat mit Nathan Adam von Arnstein, Enkel des kaiserlichen Hoffaktors Isaak Arnstein, kam sie 1776 nach Wien. Im Sinne der Aufklärung eröffnete sie einen literarischen Salon, wo sich vor allem während des Wiener Kongresses prominente Vertreter aus Diplomatie, Wissenschaft, Kunst und Journalismus trafen. Fanny von Arnstein stellte 1814 den ersten historisch bezeugten Weihnachtsbaum in Wien auf: "Bei Arnsteins war vorgestern nach Berliner Sitte ein sehr zahlreiches Weihnachtsbaum- oder Christbaumfest. Alle gebetenen, eingeladenen Personen erhielten Geschenke oder Souvenirs vom Christbaum", zitiert Hilde Spiel in ihrer Biografie "Fanny von Arnstein" einen der Anwesenden.

In Mitteleuropa gibt es keinen Grund, mit der Tradition zu brechen. Nur die Tannenart hat sich mit der Zeit gewandelt. Die Weißtanne steht in Deutschland und Österreich auf den Roten Listen der gefährdeten Arten.

Gefährdete Weißtanne

Dabei galt die Art noch Mitte des 18. Jahrhunderts in den Alpen und Voralpen, im Schwarzwald und im Bayerischen Wald, in Franken, Thüringen und Sachsen als der Nadelbaum schlechthin. Weiter in den Norden war die Weißtanne seit der letzten Eiszeit nicht gekommen, in der sie sich in südlichere Gefilde zurückgezogen hatte. Einst war in den Mischwäldern der Mittelgebirge Süd- und Ostdeutschlands, Österreichs und Norditaliens jeder zehnte Baum eine Weißtanne. Heute stoßen die Förster nur bei jedem 50. Stamm auf die für Abies alba typische weißlich-braune Rinde.

Dem Wild schmeckt die Weißtanne so gut wie Kindern Schokolade, denn ihre Nadeln enthalten mehr Stickstoff und Kalk als etwa Fichtennadeln. Diese Stoffe sind für Rehe und Hirsche wichtige Bestandteile der Ernährung. Zudem kommen Weißtannen mit Luftschadstoffen schlechter zurecht als Fichten. Schon im 19. Jahrhundert gingen im Erzgebirge die älteren Exemplare in den Abluftfahnen der boomenden Industrie auf großen Flächen ein. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts litt die Weißtanne besonders unter Schwefeldioxid-Emissionen aus Fabriken. Rein klimatisch gesehen gibt es für die Weißtanne allerdings Hoffnung, da sie mit dem wärmer werdenden Klima besser zurechtkommt als andere Nadelbäume.