Coventry. Die Ureinwohner Großbritanniens haben Weizen über Handel erworben, lange bevor sie ihn selbst angebaut haben. Diese Folgerung zieht eine Forschergruppe um Robin Allaby von der University of Warwick in Coventry aus 8000 Jahre alten Siedlungsspuren.

In einem Bodenabschnitt vor der Insel Isle of Wight an der englischen Südküste fanden die Wissenschafter Erbgut von Weizen, aber keinen Pollen des Getreides. Sie berichten über ihre Analyse in der Fachzeitschrift "Science".

Paläontologen gehen nach heutigen Kenntnissen davon aus, dass Weizen auf der britischen Insel erst vor 6000 Jahren angepflanzt wurde. Dennoch fanden sich deutliche Spuren von Weizen-DNA in einem Bodensegment, das vor etwa 8000 Jahren vom Meer überflutet wurde. In einem Kommentar, ebenfalls in "Science", beschreibt Greger Larson von der University of Oxford, warum dieser Boden in Bouldnor Cliff so gut erhalten geblieben ist: "Das Torfmoor über dem alten Erdboden hat die Bodenschichten effektiv begrenzt und verhindert, dass sich Meeressedimente nach unten auslaugen konnten, selbst als der Meeresspiegel anstieg."

Keine Pollenfunde


Im ausgewerteten Bohrkern fanden die Forscher DNA-Spuren von Gräsern, Kräutern und Bäumen, darunter Eichen, Pappeln, Erlen und Apfelbäume. Enthalten war jedoch auch Erbgut, das auf die Überreste menschlicher Siedlungen hinweist: DNA von Nussschalen, Hunden und Rindern. In den jüngeren Erdschichten des Bohrkerns entdeckten Allaby und Kollegen eine große Menge Erbgut von Weizen. Durch eine genaue Untersuchung schlossen die Forscher aus, dass es sich um einheimische Gräser handelt, die mit dem Weizen verwandt sind. Die Pollenanalyse erbrachte Pollenfunde von zahlreichen Blütenpflanzen, aber nicht von Weizen.

"In Abwesenheit direkter Beweise vermuten wir deshalb, dass dieser Weizen Nahrungsmittel repräsentiert, die eher vom europäischen Festland importiert als an Ort und Stelle angebaut wurden", schreiben Allaby und sein Team. Dem Handel habe damals nicht der Ärmelkanal im Weg gestanden. Vor 8000 Jahren habe es sowohl zum heutigen Frankreich als auch zu den heutigen Niederlanden hin Landbrücken gegeben. Die Forscher stützen sich dabei auf frühere Untersuchungen auf der Basis von Sedimentanalysen.

Sie sehen ihre Befunde als Hinweis darauf, dass die Jäger und Sammler auf der britischen Insel intensive Kontakte zu Völkern hatten, die bereits Landwirtschaft und Handel betrieben. "Wenn weitere Analysen dieser Art an geeigneten archäologischen Stätten erfolgen, können wir damit beginnen, die Prozesse für die Verbreitung von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten neu zu beurteilen", schreibt Larsen.