Ein sprichwörtliches Danaergeschenk bringt seinem Empfänger bis heute Unheil. Verbirgt sich Schlimmes in scheinbar Harmlosem, spricht man nach wie vor von einem "Trojanischen Pferd". In der Computerwelt können nützlich anmutende Programme Schadsoftware einschleusen. Man nennt sie - verkürzt - "Trojaner".

Als die Griechen aus dem Bauch des Holzpferds kletterten und Trojas Tore öffneten, kämpfte auch Achilleus in ihren Reihen. Er war unverwundbar, da ihn seine Mutter einst in den eisigen Unterweltfluss Styx getaucht hatte. Nur die Ferse, an der sie ihn festhielt, blieb unbenetzt. Der Pfeil des Paris traf ausgerechnet diesen "wunden Punkt", die sprichwörtlich gewordene Achillesferse. Über diesen Mythos kam übrigens auch die Achillessehne zu ihrem Namen.

Die Idee mit dem Holzpferd stammte vom listigen Ithaka-König Odysseus. Nach zehn Jahren der Belagerung geriet seine Heimreise aus Troja zur ebenso langen Irrfahrt, zur berühmten Odyssee. Dabei traf er auf die verführerische Kirke (Circe). Von der Zauberin betört - eben bezirzt - verweilte Odysseus lange auf ihrer Insel.

Vor seiner Weiterfahrt warnte sie ihn schließlich noch vor den schrecklichen Sirenen. Diese Vögel mit Frauenköpfen lockten die Seefahrer mit hellem Gesang auf ihr Eiland, um sie zu töten. Daher befahl Odysseus seinen Männern, sich geknetetes Wachs in die Ohren zu stopfen. Noch heute werden unwiderstehliche Frauen manchmal als "Sirenen" bezeichnet und betörende Kehlen als "Sirenenstimmen". Allzu verführerische Worte gelten als "Sirenengesang". Als man 1819 einen warnenden, überaus lauten Schallgeber erfand, taufte man ihn ebenfalls "Sirene".

Während der Abwesenheit vertraute Odysseus sein Haus und seinen Sohn dem klugen Freund Mentor an. Aus dessen Mund sprach gelegentlich die weise Göttin Athene. Daher wurde Mentors Name später zum Synonym für einen väterlichen Freund, einen Ratgeber oder einen Erzieher. In der Personalentwicklung fördert das Mentoring die Wissensweitergabe von einem erfahrenen zu einem weniger routinierten Mitarbeiter.

Argos, der treue Hund des Odysseus, wartete 20 Jahre lang auf die Wiederkehr seines Herren. Er teilte sich den Namen mit einem hundertäugigen Riesen: Der sollte in Heras Auftrag die Io bewachen, eine Gespielin ihres Göttergatten Zeus. Der alles sehende Wächter fixierte Io mit seinen Argusaugen. Doch der Götterbote Hermes lullte ihn flötenspielend ein und schlug ihm dann den Kopf ab. Hera versetzte die vielen Augen des Riesen Argos ins Gefieder des Pfaus.

Geplagte Nymphen


Der wollüstige Wald- und Naturgott Pan stellte einst der jungfräulichen Syrinx nach. Die anderen Nymphen hatten Mitleid mit ihr und verwandelten sie in Schilf. Die Brise entlockte dem Rohr einen dünnen Klagelaut. Von dessen Lieblichkeit gebannt, schnitt Pan Schilfrohre ungleicher Länge ab und formte daraus die Panflöte. Deren alter Name "Syrinx" verrät die Herkunft. Auch der Stimmkopf der Vögel heißt so. Nymphen wie die Syrinx waren Halbgöttinnen der Quellen, des Meeres, der Flüsse, der Bäume oder der Berge. Oft begleiteten sie, fröhlich tanzend, die Götter - und wurden so zum Objekt männlicher Begierde. Dennoch unterstellte man Frauen mit häufigerem Partnerwechsel später gern "Nymphomanie".

Der Göttervater Zeus war berühmt für seine vielen Seitensprünge. Um die eifersüchtige Gattin Hera abzulenken, wurde diese von der Bergnymphe Echo beschwatzt. Hera rächte sich bitter und stahl ihr die Stimme. Die einstige Plaudertasche konnte fortan bloß noch die letzten Worte anderer wiederholen. So entstand das Echo.

Trat plötzlich Unruhe in einer Herde auf oder blinder Schrecken im nächtlichen Heerlager, machte man dafür das Erscheinen des bocksfüßigen und gehörnten Gottes Pan verantwortlich. Das führte zum Begriff "Panik" für intensiv erlebte Angst. Die Phobie, eine Angststörung, ist hingegen nach einem Sohn des Kriegsgottes Ares (römisch: Mars) benannt. Phobos (griech., "Furcht") brach gemeinsam mit seinem Bruder Deimos ("Schrecken") die dichten Reihen der Krieger auf. Unerschrockene Astronomen tauften später die beiden Marsmonde nach diesem Duo.

Es gibt natürlich noch dutzende weiterer Beispiele für die Hinterlassenschaft der antiken Mythologie in unserer heutigen Sprache: vom "Labyrinth" über die "Büchse der Pandora" bis zur "Insel der Seligen" . . .

ChristianPinter, geb. 1959, lebt als freier Journalist in Wien und schreibt zumeist über astronomische Themen im "extra". Internet: www.himmelszelt.at