So sah eine würdevolle Bestattung zur Zeit der Linearbandkeramik aus (Gäubodenmuseum in Straubing, Bayern). - © wikimedia/Wolfgang Sauber
So sah eine würdevolle Bestattung zur Zeit der Linearbandkeramik aus (Gäubodenmuseum in Straubing, Bayern). - © wikimedia/Wolfgang Sauber

Wien. Mord und Totschlag zwischen Individuen, aber auch kollektive Gewalt zwischen Menschengruppen gehören von Anfang an zur Geschichte der Menschheit. Neue Erkenntnisse dazu liefert eine soeben publizierte Studie. Sie bezieht sich auf ein im Raum Frankfurt am Main entdecktes "Massengrab", die keineswegs würdige letzte Ruhestätte von gut zwei Dutzend Personen, offensichtlich Opfer eines Steinzeitmassakers, die nur verscharrt wurden.

"Mindestens 26 Menschen wurden wahrscheinlich gefoltert, erschlagen und dann in eine Grube geworfen", sagt der Erstautor der Studie, Christian Meyer. Die nun genauer untersuchten menschlichen Überreste sind etwa 7000 Jahre alt und wurden bereits 2006 im hessischen Schöneck-Kilianstädten entdeckt. Meyer präsentiert die Ergebnisse zusammen mit Kollegen, darunter auch der deutsche Anthropologe Kurt Werner Alt, der an der Donau-Privatuniversität in Krems das Zentrum für Natur- und Kulturgeschichte der Zähne leitet, jetzt in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Pnas).

Junge Frauen als Kriegsbeute

Es fällt auf, dass sich unter den Opfern nur zwei Frauen, beide schon über 40 Jahre alt, finden, sonst aber Männer und Kinder. "Das kann bedeuten, dass die jungen Frauen von den Angreifern entführt wurden", sagt Meyer. Auf ein solches Vorgehen - Töten der Männer und Kinder, aber Verschonen der Frauen - deuten auch die Forschungen bei zwei bereits bekannten Massakern aus dieser Epoche hin. 1983 entdeckte man bei Gartenarbeiten in Talheim in Baden-Württemberg 34 verscharrte Skelette, bei den im gleichen Jahr gestarteten Grabungen in Schletz bei Asparn an der Zaya (Niederösterreich) stieß man in einem Kreisgraben auf über 50 Skelette, die nur einen Teil der in der ganzen Anlage begrabenen Personen ausmachen. Dass so gut wie keine jungen Frauen dabei waren, erhärtet die These: Sie waren die Kriegsbeute - schon lange vor dem "Raub der Sabinerinnen" in der Frühgeschichte Roms.

Die Forscher datieren alle drei Ereignisse an den Beginn der Jungsteinzeit, in die sogenannte Linearbandkeramik-Epoche, die ungefähr von 5500 bis 5000 vor Christus dauerte. Damals ließen sich die ersten Menschen in Mitteleuropa dauerhaft nieder, betrieben Ackerbau und Viehzucht und fertigten mit Linien in Band-, Spiral- und Mäanderform verzierte Keramikgefäße an. "Mit der Sesshaftigkeit gab es möglicherweise dann auch Konflikte um Gebiete", erklärt Christian Meyer.

Dass die Opfer gewaltsam zu Tode kamen, lässt sich auch nach Jahrtausenden noch nachweisen. "Wir wissen, dass viele der Menschen mit Steingeräten erschlagen wurden und wahrscheinlich an den Schädelverletzungen gestorben sind", sagt Meyer. Die Beinknochen seien fast systematisch zertrümmert worden. Die Forscher vermuten, dass die Angreifer bei solchen Massakern mit großer Brutalität ganze Siedlungen ausgelöscht haben.