Selbst ein Ofenrohr, das Schu-barts Zelle mit der eines anderen Häftlings verband, wurde von ihm zum Diktat genutzt. Auf diese Weise entstand seine posthum, ab 1792 publizierte Lebensgeschichte. Auch "Die Forelle" wurde auf Hohenasperg geschrieben. Ein genaues Datum ist nicht bekannt, möglicherweise verfasste Schu-bart das Gedicht im sechsten Jahr seiner Gefangenschaft. Man kann unschwer erahnen, mit welcher Wehmut die Erinnerungen an die idyllische Natur, an ein "Bächlein helle" für den Häftling verbunden sein mussten.

Trotz zahlreicher Fürbitten blieb Schubart zehn Jahre lang eingekerkert und wurde erst im Mai 1787 freigelassen. Danach wurde er vom Fürsten, der seinen ehemaligen Feind seltsamerweise nun begünstigte, sogar mit der Stelle des Musik- und Theater-
direktors am Hofe in Stuttgart belohnt. Auch durfte er wieder eine Zeitschrift herausgeben, in der er sich intensiv mit der Französischen Revolution auseinandersetzte. Der Herzog sicherte ihm sogar Zensurfreiheit zu. Was zu dem überraschenden Sinneswandel des Herzogs geführt hat, ist nicht bekannt.

Nur vier Jahre waren Christian Friedrich Daniel Schubart in Freiheit vergönnt. Da seine Gesundheit durch die lange Haft stark angegriffen war, starb er zweiundfünfzigjährig am 10. Oktober 1791 in Stuttgart. Er hinterließ seine Frau Helena, die 1819 in Armut starb, und zwei Kinder.

Lebendig begraben

Ein Gerücht, das hoffentlich nicht wahr ist, besagt, Schubart sei im Zustand der Bewusstlosigkeit begraben worden. Im Grab sei er wieder zu sich gekommen und hätte sich die Nägel am Sargdeckel blutig gekratzt, bevor er endgültig starb. Bei einer Sargöffnung wegen angeblicher Geräusche hätte man ihn auf dem Bauch liegend mit blutig gekratzten Nägeln gefunden. Der Dramatiker Heiner Müller beschrieb dieses Gerücht zuletzt 1995.

Franz Schubert, der den Text Schubarts bewunderte, verfasste mindestens fünf Vertonungen des Forelle-Gedichtes, von denen die meisten aber verloren sind.

Christian Friedrich Daniel Schubarts Schicksal gleicht durchaus jenem, das auch heute Journalisten, Bloggern und Publizisten in nicht allzu fernen Ländern zu erwarten haben, wenn sie sich mit den Mächtigen anlegen. Ob sie allerdings nach vollzogener Strafe auch derart begünstig würden, bleibe dahingestellt.

Literatur:

Fritz Streitberger: Ein feuriger Rebell. Die Lebensgeschichte des Chr. F. Daniel Schubart. Frieling Verlag, Berlin 2011.