Eine freimaurerische Zierde: Schärpe eines Kommandeurs des 33. Grades, Großloge von Österreich, 19. Jahrhundert. - © Österreichische Nationalbibliothek
Eine freimaurerische Zierde: Schärpe eines Kommandeurs des 33. Grades, Großloge von Österreich, 19. Jahrhundert. - © Österreichische Nationalbibliothek

Als die eigentlichen Vorläufer der modernen Freimaurerei gelten in der heutigen Forschung die handwerklichen Bruderschaften, die Bauhütten und Baumeister, auf deren Brauchtum sehr viel maurerisches Gedankengut zurückgeführt werden kann. Während der Reformation wurde den Bauhütten der Vorwurf gemacht, sie würden geheime Zusammenkünfte abhalten und die Gesetze des Staates und der Kirche missachten. So verloren sie langsam an Bedeutung und wurden schließlich im Laufe des 17. Jahrhunderts aufgelöst.



Auch in Deutschland gingen nach der Gotik Bedeutung und Einfluss der Bauhütten zurück, während es den Lodges in England gelang, aus der Werkmaurerei einen größeren humanitären Bund zu gründen. Für die Entwicklung der Freimaurerei in England wurde in diesem Zusammenhang besonders wichtig, dass die Gilden auch Nicht-Werkmaurer in ihre Reihen aufnahmen.

Die Gilden in England lassen sich weit zurückverfolgen. Die Zusammenhänge mit der Freimaurerei belegen vor allem die Charges, die Gesetze und Pflichten, die schon seit dem Ende des 14. Jahrhunderts schriftlich präsent waren. Zu erwähnen wäre hier vor allem das wichtige "Regius-Manuskript" 1390, ein altenglisches Lehrgedicht, das von einem Geistlichen verfasst wurde und in dem der Begriff "Loge" bereits erwähnt ist.

Die "Vier Gekrönten"

Im Regius-Manuskript befindet sich darüber hinaus auch eine Berufung auf die Zunftheiligen der Steinmetze, die sogenannten "Vier Gekrönten". Einige mittelalterliche Bauhütten feierten daher nicht nur das Johannisfest, sondern auch den Jahrestag der "Vier Gekrönten". Nach ihnen benannt sind auch die masonischen Forschungslogen "Quatuor Coronati".

Seit dem Mittelalter haben die maurerischen Konstitutionsmanuskripte einen Kodex des gewerblichen und sittlichen Verhaltens aufgenommen. Die ersten noch vorhandenen maurerischen Konstitutionsmanuskripte, das erwähnte Regius- und Cooke-Manuskript, wurden später abgeschrieben, wobei der Gedanke der Einübung ethischen Verhaltens eine zentrale Rolle spielte. Dabei handelte es sich aber nie um einen vollständigen Moralkodex und auch um keine Religion.

Der Sitz der Vereinigten Großloge Englands in London zeigt das Gründungsdatum 1717 über dem Eingangsportal. - © Eluveitie/Wikimedia Commons.
Der Sitz der Vereinigten Großloge Englands in London zeigt das Gründungsdatum 1717 über dem Eingangsportal. - © Eluveitie/Wikimedia Commons.

Konkreteres über die englischen Gilden erfährt man erst seit dem 14. Jahrhundert. Sie hießen damals Crafts oder Mysteries und waren anerkannte Zunftorganisationen. Der Begriff Freemason taucht zum ersten Mal in einer Londoner Urkunde 1376 auf. Unter dieser Bezeichnung verstand man den qualifiziert ausgebildeten Maurer und Steinmetz, der den freistehenden Stein kunstvoll bearbeiten konnte. Im "Letterbook H" der Stadt London findet sich der Begriff "freemason" im Zusammenhang mit einer Aufzeichnung über eine Vertreterversammlung der städtischen Gilden in London. Im Jahre 1396 enthält eine Arbeiterliste vom Bau der Kathedrale von Exeter auch das Wort "freemason", und häufiger ist gleichzeitig das Wort "mason" erwähnt.

Die Bezeichnung "Lodge" findet sich sowohl in England als auch in Schottland und wurde in einer dreifachen Bedeutung verwendet, was wahrscheinlich mit drei verschiedenen Entwicklungsstadien parallel lief: Zuerst die Bedeutung als Werkstätte der bei einem Bauwerk beschäftigten Masons, dann die Gesamtheit dieser Masons und auch eine territoriale Zunftorganisation der Masons. Wurden die Baugilden unter dem englischen König Heinrich VI. noch unterdrückt, nahmen sie später einen Aufschwung. Ein Vergleich der Zunftgesetze in England mit den deutschen Steinmetzen zeigt eine doch weitgehende Übereinstimmung. Darin gab es genaue Regeln für Lehrlinge und Gesellen, auch ein spezielles Brauchtum mit eigenen geheimen Zeichen und Symbolen sowie Hinweise zu einer Geheimhaltung der Mitgliedschaft.

Öffnung der Gilden

Die Gilden öffneten sich dann bald auch Nicht-Werkmaurern. Um 1670 überwogen diese bereits in einzelnen Logen, so dass die Forschung davon ausgeht, dass sich um die innere Gilde der Steinmetze ein äußerer Ring gebildet habe, der sich aus Lieferanten, Söhnen von Maurern, Ortsgeistlichen, Bauhandwerkern verwandter Berufe, Zimmerleuten, Spenglern und Glasmalern zusammensetzte, die sich später in den inneren Kern integrierten.

Man unterscheidet in dieser Zeit zwischen "Gentlemen masons" und "Accepted masons". In dieser Unterscheidung bestand auch die große Differenz zwischen englischen und deutschen Logen, weshalb die moderne Freimaurerei von England und nicht von anderen Staaten ausgegangen war. Bereits 1660 stand in einem alten Protokollbuch die erste Aufnahme eines "Operative Mason". Die Forschung bezeichnete diese wichtige Übergangsphase in der Geschichte der frühen Freimaurerei als Entwicklung von der "operativen" zur "spekulativen" Maurerei. Da es sich hier um ethische und philosophische Spekulationen (Ideen) handelte, wird noch heute diese Formulierung verwendet.

In der Freimaurergeschichte Englands bestand eine weitgehende Kontinuität in der Überlieferung, was für den kontinentaleuropäischen Raum nicht zutreffend war. So ist die Schottische Loge "Mary’s Chapel No. 1" in ununterbrochener Folge Eigentümer der Protokollbücher seit 1599, aus denen der erwähnte Übergang von der operativen zur spekulativen Freimaurerei dokumentiert werden konnte. Elias Ashmole, Offizier, Physiker, Astrologe, Alchemist, Botaniker und Historiker in Oxford, sehr breit gebildet, wurde 1646 in Warrington in eine Loge aufgenommen. Historiker gehen davon aus, dass es sich im Rezeptionsritual tatsächlich um eine Initiation mit esoterischem Myste-rium gehandelt haben könnte, was immer man damals darunter verstanden haben mag.