Wien. Nicht nur örtliche Umweltbedingungen, sondern auch die globale Klimageschichte formten die Zusammensetzung von Arten in einer Region, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung. Welche Pflanzen heute lokal in Europas Buchenwäldern vorkommen, wurde durch die vorige Eiszeit vor 10.000 Jahren bestimmt, heißt es im Fachblatt "Nature Ecology and Evolution".

Damals war es den Buchen in den meisten Teilen des Kontinents zu kalt, und sie überlebten nur in bestimmten Rückzugsgebieten. Für Mitteleuropa lag das wichtigste davon im Süden Österreichs, erklärte Wolfgang Willner vom VINCA Institut für Naturschutzforschung in Wien. Aber nicht nur die Bäume selbst, sondern auch alle anderen Buchenwald-Pflanzen waren nur mehr in solchen Refugien zu finden.

Bedingungen entscheidend

Am Ende der Eiszeit "wanderten" alle wieder zurück in ihre ursprünglichen Verbreitungsgebiete. Manchen Arten ist dies gut gelungen und sie haben es bis zu den Britischen Inseln geschafft, andere waren weniger erfolgreich und kamen nur bis zum Südfuß der Alpen. Die Entfernung zu den einstigen Refugialgebieten spielt demnach eine große Rolle für die heutige lokale Artenvielfalt (Biodiversität) in Europas Buchenwäldern.

Aber auch die Bedingungen in der Nachbarschaft sind entscheidet, ob eine Art auf einem bestimmten Platz wächst oder nicht. "Gibt es zum Beispiel im Wienerwald kleinflächig einen Standort, der für eine Art günstig wäre, ist es dennoch unwahrscheinlich, dass sie dort vorkommt, wenn es sonst keinen passenden Standort in der Umgebung gibt", so Willner. Dann wäre es nämlich schwer für sie, dort überhaupt hinzugelangen. Gab es in der Vergangenheit regional aber viele solcher Standorte, wird sie an diesem heute isolierten Platz viel eher vorhanden sein. "Hier kommt also wieder die Geschichte mit ins Spiel", sagte er.