Für Hitler war der "Anschluss" die erste Voraussetzung für die Schaffung "Großdeutschlands", das wiederum eine der Voraussetzungen für die Realisierung seines außenpolitischen Programms war, das schlicht und einfach auf Krieg hinauslief. 1933/34 unternahm er, in der Hoffnung, die aktuelle Dynamik der NS-Bewegung ausnützen zu können, den Versuch, den "Anschluss" auf schnellstem Wege herbeizuführen. Er scheiterte jedoch an der Haltung des autoritär regierenden Engelbert Dollfuß, der seit dem Frühjahr 1934 einen Zweifrontenkrieg führte - gegen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten.

Hitlers Plan der "schnellen Lösung" endete mit dem Putschversuch der österreichischen Na-tionalsozialisten am 25. Juli 1934. Dollfuß fiel zwar den Putschisten zum Opfer, der Putsch selbst aber brach angesichts der entschlossenen Haltung der Regierung und des Bundesheeres nach wenigen Stunden zusammen. Berlin distanzierte sich von den Putschisten - nicht zuletzt unter dem Eindruck von Mussolinis Entscheidung, fünf Divisionen in Richtung Grenze in Marsch zu setzen.

Evolutionäre Lösung

Nun setzte man auf die "geistige Durchdringung" Österreichs. Das Land sollte von innen heraus unterhöhlt werden, was letztlich auch gelang. Kurt von Schuschnigg, Nachfolger von Dollfuß, spielte dieser Politik nachgerade in die Hand. Er unternahm nichts, um die "Lager" zu versöhnen und das politisch gespaltene Land zusammenzuführen. Er verfolgte bewusst einen "deutschen Weg", mit Österreich als dem zweitem, besseren "deutschen Staat", und seine Wirtschaftspolitik sorgte dafür, dass Österreich das Land in Europa mit der relativ höchsten Arbeitslosenzahl blieb. (Nicht umsonst hofften viele Österreicher beim "Anschluss" auf ein Ende ihrer Arbeitslosigkeit.) Außenpolitisch orientierte sich Schuschnigg dabei an Mussolini. Als dessen Abessinienabenteuer im Herbst 1936 zur "Achse Berlin-Rom" führte, befand sich Schuschnigg innen- und außenpolitisch in einer fast hoffnungslosen Lage: Hitler hatte von Mussolini freie Hand im Hinblick auf Österreich erhalten.

Schuschnigg hat damals wohl den Ernst der Lage unterschätzt, sonst wäre er kaum zu jenem Treffen mit Hitler am 12. Februar 1938 am Obersalzberg in Berchtesgaden bereit gewesen. Falls er gehofft haben sollte, bestehende Differenzen klären zu können, so gab es für ihn ein böses Erwachen. Hitler diktierte ein auf drei Tage befristetes Ultimatum, die österreichische Politik der deutschen anzupassen, der NSDAP Betätigungsfreiheit und Amnestie zu gewähren und einen Nationalsozialisten zum Innenminister mit unbeschränkter Polizeikompetenz zu ernennen.

Für den Fall der Ablehnung drohte er mit dem Einmarsch der Wehrmacht. Schuschnigg kapitulierte, zumal auch von außen keine Hilfe zu erwarten war. Einer Rede Hitlers, die zum ersten Mal auch im östlichen Rundfunk übertragen wurde, folgten dann in vielen Teilen Österreichs NS-Demonstrationen: In Wien wurde die rot-weiß-rote Fahne vom Rathaus gerissen und die Hakenkreuzfahne gehisst, in Linz endete eine Parade der SA mit Sprechchören wie "Ein Volk, ein Reich", "Sieg-Heil", "Deutschland erwache, Juda verrecke!"