Am 5. September 1837 trat der 19-Jährige in das galizische Infanterieregiment Nr. 30 ein und wurde Kadett. Das Regiment garnisonierte zu dieser Zeit in Krakau, einer Stadt, zu der Wurzbach eine enge geistige Beziehung entwickelte. Hier erschien unter dem Pseudonym W. Constant im Jahre 1841 seine erste Gedichtsammlung "Mosaik". In dieser verherrlichte er die Geschichte Polens, soweit sie mit der Stadt Krakau in Beziehung stand. Auch die Monographie "Die Kirchen der Stadt Krakau" befasst sich mit der Geschichte dieser Stadt.

1841 zum Unterleutnant der Infanterie befördert, kam er im selben Jahr nach Lemberg in Garnison. Hier vollzog sich die entscheidende zweite Wende seines Lebens. "Nicht zum Krieger sondern zum Literaten geboren", wie sein Biograph Bettelheim es ausdrückte, promovierte Wurzbach an der Lemberger Universität zum Doktor der Philosophie.

Noch im selben Jahr, am 9. Dezember 1843, wurde er Skriptor (wissenschaftlicher Beamter) an der Lemberger Universitätsbibliothek und trat damit aus dem Armee- in den Zivildienst über. Dennoch veröffentliche Wurzbach noch ein Handbuch für Militärzöglinge. Er sah den Dienst in der Armee nicht als verlorene Zeit an, denn dieser machte ihn mit der Sprache und Kultur Polens gründlich vertraut. Außerdem vermittelte der Armeedienst Kenntnisse über polnische und ukrainische Volkslieder sowie polnische Sprichwörter, die er in einer Zusammenstellung verwertete.

Entscheidend für Wurzbachs Zukunft war die Begegnung mit Graf Franz Stadion (1806-1853). Im liberal gesinnten Grafen, seit 1847 Gouverneur von Galizien, hatte er einen Förderer gefunden. Wurzbach wurde Mitarbeiter in der Redaktion der Lemberger "Amtlichen Deutschen Zeitung". Auch im Revolutionsjahr 1848 gehörte er als Adjutant der Akademischen Legion zu den Vertrauten Stadions. Wurzbach spielte eine wesentliche Rolle bei dem gelungenen Versuch, die Bewaffnung der Nationalgarde auf dem Lande zu verhindern. Stadion schickte ihn daraufhin als Vertrauensmann nach Wien - offiziell als Urlaub deklariert -, von wo aus Wurzbach auch als politischer Journalist, etwa für die "Augsburger Allgemeine Zeitung", "für Recht und Ordnung" tätig war.

Hier zeigt sich schon sein politisches Selbstverständnis. Er vertrat im Jahr 1848 und auch sonst antiklerikal-liberale Auffassungen, wurde aber von Regierungsseite zum Kremsierer Reichstag geholt (Kremsier, Tschechien). Wurzbach war unbedingter Anhänger der Dynastie, Zentralist und glaubte bis zuletzt an den österreichischen Einheitsstaat.

Beamter in Wien

Im Oktober 1848 wurde Wurzbach formell der Wiener Hofbi- bliothek zugeteilt, arbeitet publizistisch weiter an der Seite Sta- dions. Im Dezember 1848 vollzieht sich eine neuerliche Wende: Stadion, nunmehr Minister des Innern, überträgt ihm den Posten eines provisorischen Archivars im Innenministerium. Ab April 1849 arbeitete Wurzbach als Vorstand der Administrativen Bibliothek des Ministeriums des Innern (ehemalige Böhmische Hofkanzlei in Wien 1, Wipplingerstraße 7).