Nun zeigte sich seine Akribie: Er entwarf die "Instruktion für den Bibliotheksdienst", ordnete und katalogisierte die rasch anwachsenden Bestände, baute Sammlungen aus. Dieses Sammeln und Ordnen kam auch seinen eigenen Forschungen entgegen: Die für 1853-1855 erschienene "Bibliographisch-statistische Übersicht der Literatur des österreichischen Kaiserstaates" begründete die Literaturstatistik in Österreich; ihre bahnbrechende Bedeutung für Europa wurde auf internationalen statistischen Kongressen anerkannt.

Im Jahr 1859 bekam Wurzbach einen neuen Minister als Vorgesetzten: Agenor Romuald Graf Goluchowski (1812-1875). Dieser stufte die Bibliothek als bloße interne Dienststelle herunter. Das Hilfspersonal wurde reduziert und die bibliographischen Arbeiten eingestellt. Politisch hat der in Lemberg geborene Pole Goluchowski 1860 das "Oktober- diplom", welches als Verfassung die Staatsform einer föderalen, konstitutionellen Monarchie vorsah, durchgesetzt. Wurzbach bezeichnete dieses "als wuchtigsten Schlag auf das halbe Jahrtausend alte Gefüge der Monarchie". Noch in seinem Testament verfolgte Wurzbach, obwohl er ansonsten Polen liebte und die Sprache beherrschte, den Grafen Goluchowski mit tiefer Abneigung.

Wurzbach war zweimal verheiratet. Aus erster Ehe mit Antonie Hinzinger stammten die Kinder Alfred (Kunsthistoriker), Theodore (Künstlerin) und Franz (Rechtsanwalt). Aus zweiter Ehe mit Karola Varga entstammte die hochmusikalische Tochter Constanze. Als fürsorglicher Vater unternahm Wurzbach mit seinen Kindern ausgedehnte Bildungsreisen, archivierte auch diese penibel.

Aber sein ganzes Streben galt seinem gigantischen 60-bändigen Werk, das er am 3. Juli 1891 im Alter von 73 Jahren mit folgenden Sätzen beendete: "[. . .] ich ganz allein schrieb diese sechzig Bände! Lexikonmüde ruhen aus die Hände." Wie die Historikerin Lebensaft belegt, hatte Wurzbach jahrzehntelang mit großer Selbstdisziplin seine Zeiteinteilung durchgehalten:

"Von 9 bis 3 arbeitete er täglich dienstlich in der Bibliothek, dem Lexikon konnte er nur die Frühstunden von 5 bis 8 und die Zeit von 5 Uhr nachmittags bis 11 Uhr nachts widmen." Nach eigener Aussage war "Ordnung das Hauptgeheimnis" seiner Arbeit.

Ritterstand

Diese Zeiteinteilung sollte sich ab 1874 ändern, als der 56-Jährige für seine literarischen Leistungen ausgezeichnet und infolge dieser Auszeichnung in den Ritterstand erhoben wurde. Wurzbach zog nach Berchtesgaden. Man hatte ihn vom Dienst freigestellt, damit er sein Lexikon vollenden konnte.

Constantin Wurzbach galt als schwierig, zeigte zeitweise Verbitterung: Zahlreich waren seine Klagen über mangelnde Anerkennung in den Vorworten zu den einzelnen Teilen seines Lexikons. Kritik an Inhalt und Text seines Werkes erfolgte bereits von Zeitgenossen.

Auch heute noch ist "der Wurzbach" ein unverzichtbares Hilfsmittel historischer und kulturhistorischer Forschung. Elisabeth Lebensaft bezeichnet das Lexikon als "eine Art Steinbruch der Biographik, sei es in den Werks- und Quellenverzeichnissen, sei es in den Mitteilungen von biographischen Fakten und Tatsachen". Die Historikerin weist auch daraufhin, dass "Schwächen nicht übersehen werden sollten". Wurzbach war nicht auf allen Gebieten Fachmann, denn es falle auf, "dass er alle Habsburger - von Rudolf I. bis zum jüngsten zeitgenössischen Erzherzog -, jedoch nur einen einzigen Sozialisten aufgenommen hat". Als österreichischer Patriot hielt er am Einheitsstaat von 1855 fest und berücksichtigte bis zum Schluss Länder, die längst nicht mehr der Monarchie angehörten.

Constantin Wurzbach Ritter von Tannenberg starb im Alter von 75 Jahren, zwei Jahre nach Vollendung seines Lebenswerks, am 18. August 1893 in seinem Berchtesgadener Wohnhaus. Er wurde am dortigen Friedhof bestattet. Der Grabstein trägt sein Portraitmedaillon, mit der Inschrift "Verfasser des Biographischen Lexikons Oesterreichs". Nicht erfüllt wurde seine testamentarische Anordnung, man möge auf seinem Grabstein eine ein Buch zernagende Maus einmeißeln - mit folgender Inschrift:"ein Mäuschen ohne alle Stärkebezwingt das größte aller Werke."