"‚Auf nach Speyer! Auf nach Speyer!‘ / Ruft er, als das Spiel geendet; / ‚Wo so mancher deutsche Held / Liegt begraben, sei’s vollendet!‘". Diese Sätze legt der schwäbische romantische Schriftsteller Justinus Kerner dem König Rudolf von Habsburg, der merkt, dass sein Leben dem Ende zugeht, in seinem 1820 veröffentlichten Gedicht "Kaiser Rudolfs Ritt zum Grabe" in den Mund. Kerners Poem ist nur eine von vielen literarischen Überlieferungen, die sich das Leben und das Ende Rudolf von Habsburgs, des ersten Habsburgers auf dem Thron des Heiligen Römischen Reiches, zum Thema genommen haben. Vor 800 Jahren, am 1. Mai 1218, wurde der Herrscher geboren - im Dom zu Speyer fand er 1291 seine letzte Ruhestätte.

Im Südwesten Deutschlands, in Germersheim am Rhein, dem er 1276 die Stadtrechte verliehen hatte, hielt sich Rudolf mit seinem Regierungsapparat auf, als ihm im Sommer 1291 seine Ärzte das baldige Ende seines Lebens ankündigten. Im Wissen des nahenden Todes soll er sich seinen Sterbeort und seine Grabstätte selbst ausgesucht haben.

Neben dem letzten auf deutschem Boden beigesetzten Staufer, Philipp von Schwaben, wollte er in der Krypta des von den Saliern erbauten und als Grablege bestimmten Domes zu Speyer unter den ganz Großen des Reiches beigesetzt werden. Nachdem er ins etwa zwanzig Kilometer von Germersheim entfernte Speyer geritten war, starb er am 15. Juli 1291 im Schatten der Kathedrale, in deren Kaisergruft er nur drei Tage später beigesetzt wurde.

Lebensgetreu

Die Krypta des Speyerer Domes ist der älteste Teil des Sakralbaus. 1041 wurde die Unterkirche geweiht und blieb bis in unsere Tage nahezu unverändert. Aufgrund ihrer Größe, ihrer klaren geome-trischen Gliederung und des Farbspiels der Gurtbögen gilt sie als eine der schönsten Unterkirchen der Welt. Im Grab, in dem Rudolf bestattet wurde, sollte ursprünglich Kaiser Friedrich I. Barbarossa neben seiner Frau Beatrix beigesetzt werden. Weil aber der Stauferkaiser 1190 im Fluss Saleph in der heutigen Südosttürkei ertrank, blieb die Grabstätte bis zum Tod Rudolfs leer. Für den Speyerer Mariendom, in dem schon vier Kaiser des Mittelalters ihre letzte Ruhe gefunden hatten, war Rudolfs Bestattung eine letzte Blütezeit herrscherlicher Sepulturen.

In unmittelbarer Nähe des Grabes Rudolf von Habsburgs in der Krypta befindet sich heute ein Epitaph, ein Grabdenkmal mit einer lebensnahen Darstellung des Bestatteten. Es war zunächst im Dom aufgestellt worden, kam dann im 16. Jahrhundert an den Sterbeort Rudolfs, den Johanniterhof in Speyer, und fand erst im 19. Jahrhundert wieder seinen Platz in der Krypta.