Entzückende Miniaturwelten zeigen mitunter wenig entzückende Arbeitsbedingungen. - © MAW, ® Atelier Wunderkammer
Entzückende Miniaturwelten zeigen mitunter wenig entzückende Arbeitsbedingungen. - © MAW, ® Atelier Wunderkammer

Bei der Arbeit bleibt vieles im Verborgenen. Das was zählt, ist das Produkt. Dabei bedeutet Arbeit weit mehr: Sie stiftet Identität und bestimmt den Tagesablauf, sie kann Stolz machen, aber auch Angst – dass man keine mehr hat, zum Beispiel. Hierbei verunsichert heutzutage vor allem die digitale Technik, da sie bekannte Arbeitsformen und -strukturen obsolet macht. Sie kann Arbeit aber auch erleichtern. Doch was können, wenn überhaupt, die Menschen mit diesen neuen Möglichkeiten anfangen?

Dies ist eine der vielen Fragen, die die neue Ausstellung "Arbeit ist unsichtbar" im Museum Arbeitswelt im oberösterreichischen Steyr stellt. Mit dem Blick auf die Vergangenheit geht man an dieses Thema heran - nicht kulturpessimistisch, sondern gesellschaftskritisch, wie der deutsche Sozialpsychologe Harald Welzer, wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung, bei der Eröffnung betonte. "Denn die Gesellschaft entscheidet, in welcher Art und Weise wir für uns arbeiten lassen".

Moralische Ökonomie

Um die Wahrnehmung auf den gesellschaftlichen Einfluss zu schärfen setzt die Ausstellung den Fokus darauf, was die Arbeit mit den Menschen gemacht hat und blickt vor allem auf interne Prozesse.Wie man das, was nicht sichtbar ist, überhaupt zeigen kann, dem hat sich bereits in den 1960er Jahren der englische Sozialwissenschaftler E.P. Thompson gewidmet. In seinem bahnbrechenden Werk "Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse" beschreibt er den Übergang von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft, als sich die Menschen vehement dagegen wehrten, Arbeiter zu werden. Diese moralische Ökonomie zieht sich nun als Roter Faden durch die aktuelle Ausstellung, indem bestimmte Themen, vor allem emotional besetzte, beleuchtet werden. Das Befinden im Arbeitsprozess steht im Mittelpunkt und kreist um Themen wie Zeit, Disziplin, Freiräume, Zorn und Anpassung, um Melancholie sowie Arbeiterkultur. Aber auch die internationale Dimension der Arbeitsbedingungen, wie in einer Black Box, eine von drei Raum- und Audioinstallationen des Berliner Künstler Christoph Mayer, einprägsam veranschaulicht wird, wird berücksichtigt.

Miniaturwelten

Dargestellt wird diese unsichtbare Geschichte der Arbeit unter anderem anhand vieler Beispiele aus der Arbeiterstadt Steyr. So wird der Übergang von der vorindustriellen Zeit zum Zeitalter der Industrialisierung am Beispiel des Abbaus von Eisenerz in der Steiermark, der Transport auf der Enns, sowie dessen Weiterverarbeitung in und um Steyr mittels detailreichen Dioramen gezeigt. Alte Fotografien und Pläne aus dem 19. Jahrhundert dienten als Vorlage für diese sorgfältig gestalteten Miniaturen, die den Wandel eines einfachen Tals zur Industrieregion zeigen. Daran anschließend werden weitere Veränderungen der Arbeitswelt und ihre Auswirkungen auf die Menschen bis in die Gegenwart dokumentiert.

Barrierefreie Ausstellung

Mit seinen vielen großen wie kleinen Schauobjekten, den Installationen aber auch durch Ton- und Videobeiträgen (darunter etwa auch eine Arbeit des deutschen Filmemachers Harun Farocki) abwechslungsreich und ansprechend gestaltet.

Eine eigene Erlebniswelt wurde für Kinder gestaltet, außerdem ist die Ausstellung barrierefrei und mit Texten in Leichter Sprache, mit Videos in Österreichsicher Gebärdensprache und taktilen Elementen ausgestattet.
Allerdings bleibt eine wichtige unsichtbare Arbeit, die Hausarbeit, unberücksichtigt. Und ein wesentlicher Aspekt, nämlich die Umwelt, bleibt nur anhand eines in diesem Zusammenhang wohl unbeabsichtigten Schauobjektes angerissen: Dem Plastik, in Form eines großflächigen grünen Rasens etwa oder für die Laborüberzieher zum Wegwerfen für die Besucher.