Eine sozial heterogene, bis dato unorganisierte frühindustrielle Arbeiterschaft war mit einem Schlag und wie aus dem Nichts zum politischen Faktor aufgestiegen. Die Formen ihres Protests und Widerstands weisen gleichermaßen in Vergangenheit wie Zukunft. Wie dies auch wenige Monate später, an jenem schicksalhaften 23. August 1848, der Fall sein sollte. Gegen die Mittagsstunden dieses Tages zieht ein sonderbarer Leichenzug die Praterauen herauf.

Auf einer Bahre wird eine aus Lehm und Stroh gefertigte Puppe mit einem Fünfkreuzer-Stück im Mund mitgeführt. Dieser Popanz sollte den Minister Ernst von Schwarzer darstellen, der wenige Tage zuvor den Taglohn der ErdarbeiterInnen um knapp ein Drittel gekürzt hatte und gleichzeitig die Entlassung und Abschiebung von zu jungen, zu alten oder gebrechlichen Arbeitskräften ankündigte.

Gemetzel im Prater

Als sich nun der Zug des 23. August (mit der "Fünfkreuzerminister"-Puppe) gegen die Innenstadt hin zu wenden beginnt, treten ihm am Praterstern Stadtgarden und Einheiten der bürgerlichen Nationalgarde entgegen und beginnen, wahllos in die unbewaffnete Menge zu schießen. 22 Tote und an die 300 Verletzte, darunter eine große Anzahl von Frauen und Kindern, soll das Gemetzel gefordert haben.

Nichts hätte die soziale Differenzierung und innere Spaltung des revolutionären Aufbegehrens 1848 dramatischer veranschaulichen können, als jene durch die "menschenhatzsüchtigen" bürgerlichen Garden verübten "bestialischen Grausamkeiten", wie Maximilian Bach retrospektiv feststellt.

Noch am selben Tag löste sich der Sicherheitsausschuss auf - eine Art von oberster Behörde und Gegenregierung, die sich, ebenso wie die Studenten, in jenen Augusttagen strikt neutral verhalten hatte. Die große, die bürgerliche Revolution, die in den Jahren 1848/49 die Habsburgermonarchie an den Rand des Zerfalls bringen und in einen blutigen Bürgerkrieg stürzen sollte, war in ihr entscheidendes Stadium getreten.