Die Crew der Apollo 8. - © NASA
Die Crew der Apollo 8. - © NASA

Bei der nachfolgenden, ebenfalls unbemannten Sojus Zond 6 löst eine Fehlfunktion die nächste aus. Schließlich wird der Fallschirm vorzeitig abgeworfen. Das Schiff zerschellt am 17. November in Kasachstan. Der Welt wird ein Missionserfolg vorgegaukelt. Doch in Wahrheit lässt sich nach dieser Bilanz keine bemannte Mondumrundung verantworten.

Im Westen ahnt man anscheinend wenig von den sowjetischen Problemen und zeigt sich weiterhin besorgt: Der Kreml könne noch vor Ende 1968 Menschen auf die Reise zum Mond schicken, heißt es in den Medien. Aber auch in der Bodenkontrolle in Houston, Texas, hängen warnende Blätter mit den möglichen Startterminen für eine sowjetische Mondreise aus.

George Low wurde am 10. Juni 1926 in der Nähe von Wien geboren. Nach dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland floh die jüdische Unternehmerfamilie in die USA. Seit 1967 leitet Low dort das Apollo-Raumfahrtprogramm. Er hat es nach dem Feuerdesaster gleichsam wieder auf Kurs gebracht. Eigentlich sollte nun das Andocken eines Apollo-Schiffs an die Apollo-Mondlandefähre geprobt werden, und zwar in der Erdumlaufbahn. Doch die Landefähre ist noch nicht einsatzbereit.

Kann man sich eine neuerliche, monatelange Verzögerung leisten, oder wird man währenddessen von der Sowjetunion überholt? Low geht auf Nummer sicher. Er hat den Flugplan der Apollo-Missionen daher abgeändert: Apollo 8 wird ohne Mondlandefähre ins All aufsteigen - dafür aber nicht nur die Erde, sondern erstmals auch den Mond umkreisen. Was für eine Premiere!

Die sowjetischen Kosmonauten sind bestens über die NASA-Pläne informiert: Sie lesen davon im "Life"-Magazin. Generaloberst Nikolai Kamanin räumt der bevorstehenden Apollo-Mission bloß eine Erfolgschance von 25 Prozent ein. Die Rückkehr vom Mond geschieht mit unvertraut hoher Geschwindigkeit; der Wiedereintritt sei daher allzu riskant, meint er. Auch die Mondrakete Saturn V erscheint ihm noch nicht verlässlich genug. Ganz offensichtlich projiziert Kamanin die sowjetischen Probleme auf den Konkurrenten USA. Er spricht von amerikanischem "Abenteurertum".

Auf dem Weg zum Mond

Wernher von Brauns Saturn V ist die stärkste Rakete der Welt und, alles in allem, 110 Meter hoch. "So etwas Riesiges kann nie funktionieren!", denkt der einstige Gemini-8-Pilot David Scott spontan. Die drei Raketenstufen umfassen insgesamt elf Triebwerke. Bei einem unbemannten Teststart im Vorjahr sollen in Walter Cronkites TV-Studio Fliesen von der Decke gefallen sein - trotz eines Sicherheitsabstands von acht Kilometern.

Kennedy Space Center, 21. Dezember 1968: Die Triebwerke der Saturn V feuern los und bringen die Apollo 8 zunächst in einen 185 km hohen Erdorbit. Nicht einmal drei Stunden später zündet die dritte Raketenstufe nochmals. Innerhalb von 318 Sekunden beschleunigt sie das bereits 28.000 km/h schnelle Schiff um weitere 11.000 km/h. Dann wird die ausgebrannte Stufe abgestoßen.